Drachenzauber – Kapitel 3 (Blog-Roman)

(Lesedauer etwa 14 Minuten)

Die Vampire aus Schattensang

Die Apothekerin hatte uns versichert, der Balsam würde ebenso Drachenwandler schützen, weshalb ich Dominik andächtig die Sukkubus-Abwehrschmiere hinter die Ohren getupft hatte, bevor wir getrennte Wege gegangen waren. Er hatte darauf gedrängt, mich um kurz vor Mitternacht am Brunnen der Partymeile zu treffen, um gemeinsam zur Lichtbringer Akademie zurückzukehren.

Das Refugium erschien mir nachmittags nahezu langweilig. Der Puls des ausgelassenen Nachtlebens fehlte, obwohl sich an der Strandpromenade die eigentümlichsten Dämonen herumtrieben. Ich genoss die Sonnenstrahlen, die Vegetation war hier anders, vom Herbst war keine Spur. Der Strand, die Palmen, die Edelbauten, hier schien eine perfekte moderne Welt erschaffen worden zu sein. Es wunderte mich, weshalb im Refugium alles in Hülle und Fülle vorhanden war, während die Lichtbringer in Ewighain sich mit den einfachsten Dingen zufriedengaben. Zwischen den Häuserreihen hindurch war stadteinwärts die Pforte der Vampirhauptstadt Schattensang zu erkennen. Die Metropole, in die kein Mensch je freiwillig einen Fuß setzte. Dort herrschten die ungeschriebenen Gesetze der Vampire und Dämonen, in die ich mir keinen näheren Einblick wünschte. Ich stellte mir das Leben dort sehr brutal vor. Genaugenommen wusste ich überhaupt nichts darüber. Ohne es zu bemerken, schlich ich zwischen zwei großen Gebäuden über das Kopfsteinpflaster auf den Hügel, von dessen Rand aus ich auf die riesige Kuppel sehen konnte. Von der Kuppel wusste ich nichts, vermutlich hielt sie die Sonne aus der Stadt fern, damit sie sich auch bei Tageslicht im Freien bewegen konnten. Dafür, dass der Ort ein Exil bedeutete, war das sehr komfortabel für die Vampire.

Mein Zwillingsbruder spukte wieder in meinem Kopf herum. Ich war froh, dass er nicht – wie unser Vater- an die Dunkelheit gebunden war. Für die kurze Zeit, die sein Vampirdasein angedauert hatte. Ob er in Schattensang klargekommen wäre?

Wie verbrachte dieser Junge, den ich letzte Nacht im Outsider gesehen hatte, wohl seine Zeit dort? Wie war es, in immerwährender Dunkelheit zu leben?

Du denkst also an mich, Gwendoline Nachtblut‹, erklang eine amüsierte Stimme in meinem Kopf.

In der Sekunde, in der ich mich verwundert umdrehte, wurde mir klar, dass die Worte niemand ausgesprochen hatte. Außer den Passanten auf der Vorderseite der Gebäude war niemand zu sehen. Erst recht keine Vampire, die meine Gedanken belauschen konnten. Es sei denn… jemand Mächtiges drang über weite Entfernung ganz gezielt in meinen Kopf ein.

Wer bist du?‹, dachte ich in die Richtung der Kuppel.

Ich hoffte, er war es, wollte den Gedanken aber nicht greifbar in mir aufkeimen lassen. Alles andere ergab ohnehin keinen Sinn.

Du weißt, wer‹, kicherte er amüsiert.

Woher kennst du meinen Namen?‹ Mit einem mulmigen Gefühl wandte ich mich wieder an die Schutzkuppel, auf dessen Fassade die Abendsonne glänzte.

Ich habe viel Zeit, Gwendoline‹, antwortete er.

Es störte mich, dass er meinen Namen wie niemand sonst ausformulierte – alle meine Freunde nannten mich Gwen. Auf der anderen Seite waren wir keine Freunde.

Was willst du von mir?‹ Aufmerksam betrachtete ich die breite Straße, die sich lang vor mich hin zum Eingang der dunklen Stadt schlängelte.

Die Frage ist doch wohl eher – was willst du von mir?

Ich? Nichts, ich habe nicht mal drei Worte mit dir gewechselt.

Und doch stehst du in diesem Augenblick auf dem Hügel, starrst verloren auf die Stadt der Vampire, geschützt durch deine Zaubersalbe vor meinem Sukkubus und wartest ungeduldig, dass die Nacht anbricht.

Weil ich was trinken will, nicht weil ich mich so sehr danach verzehre einem Blutsauger wiederzubegegnen. Es gibt wohl einen Grund, weshalb ich mich mit der Salbe versorgt habe. Und deine Ausspioniererei ist ziemlich creepy. Wie wär´s, wenn du das sein lässt?

Gibts im ganzen Land nichts zu trinken, so dass die kleinen Lichtbringer Schüler ins Refugium kommen müssen?

Es gibt in ganz Immerherz keinen Lichtbringer, der mich nicht mit diesem Blick ansieht‹, gestand ich seufzend.

Du meinst den ›das ist die Zwillingsschwester des Vampirs, der den wilden Drachenjungen abgemurkst hat und dann sein Leben opferte, um sie und die Vernichtung des siebten Ei’s zu retten‹-Blick?

Das ist nicht witzig‹, schnaubte ich.

Glaub mir, das ist genau das, was sie denken. Ich schnappe so einige Gedanken auf, aber als Tochter eines Vampirs solltest du dich damit ja auskennen.

Über meinen Kopf flog eine kleine Schar von schwarzgeflügelten Dämonen hinweg, auf die Kuppelstadt zu. Sie kicherten und riefen sich gegenseitig etwas im Flug zu. Erst beim näheren Hinsehen erkannte ich, dass drei von ihnen Passagiere im Arm hielten. Schafften sie etwa Menschen in die Stadt?

»Willst du es auch mal versuchen?« Direkt hinter mir ertönte eine weibliche Stimme.

Diesmal nicht in meinem Kopf. Von einer Vorahnung erfüllt drehte ich mich um.

Es war der Sukkubus, die Freundin des Vampirs. Aus goldschimmernden Augen musterte sie mich mit einem offenen Lächeln: »Mir gefallen deine Stiefel.«

Sofort pikste mich der Pfahl, den ich darin verborgen hielt.

»Danke. Schickes… Top«, gab ich zurück, obwohl ihr Oberteil mehr einem Ketten-BH ähnelte, so knapp, wie es ausfiel.

»Ich bin Ruby«, stellte sie sich vor und streckte mir ihre langgliedrigen Finger entgegen.

Unsicher starrte ich auf ihre schwarzen spitz gefeilten Fingernägel.

»Gwen, aber das weißt du sicher schon«, antwortete ich wie zu einer Salzsäule erstarrt ihre Hand begutachtend.

Obwohl der richtige Augenblick des Händeschüttelns längst verstrichen war, zog sie ihre Hand nicht zurück und sah mich unnachgiebig an. Was, wenn sie irgendeine magische Verbindung durch unsere Berührung herstellte und ich sie dazu einlud, mich nachts in meinem Zimmer zu besuchen.

»Glaubst du an die Schauermärchen, die sie euch in der Lichtbringer Akademie über Sukkuben erzählen?«, forderte sie mich amüsiert heraus.

Gab es noch eine andere Seite der Dämonen, die nicht in unseren Lehrbüchern stand? Meine Neugier und ihre Provokation waren stärker, als die Angst – was vielleicht auch meiner Schutzvorkehrung geschuldet war – also ergriff ich ihre Hand, um sie zu schütteln. Während das durch unsere Berührung ausgelöste Prickeln in mir Verwunderung auslöste, stierte sie mich eine Sekunde erschrocken an und riss dann ihre Hand aus meiner. Weißer Dampf stieg von ihrer Handfläche empor, die sie hastig am Stoff ihres schwarzen Minirocks abzustreifen versuchte.

»Verdammte Scheiße, du hast mir die Hand verätzt!«, zischte sie erbost.

»Du hast drauf bestanden«, verteidigte ich mich.

Sie zuckte kurz mit den Augenbrauen und justierte ihre Persönlichkeit wieder auf freundlich um.

»Was ist nun, kommst du mit?« Ruby deutete auf die überdachte Stadt in der Ferne.

Ich traute ihr nicht einen Meter über den Weg.

»Auf keinen Fall würde ich auch nur einen Fuß dort hinein setzen!« Mit einer bedeutsamen Handgeste gab ich ihr mein Desinteresse zu verstehen.

»Schade, Ethan wird enttäuscht sein«, lächelte sie mich schief an.

Ethan. War das sein Name?

Sie drehte sich um, breitete ihre Fledermausflügel aus und schoss in den Himmel. Wie eine Rakete raste sie über die Zufahrt stadteinwärts, bis ihre Gestalt so klein wurde, dass ich sie nicht mehr erkennen konnte.

Ich mag den Klang deiner Gedanken, die meinen Namen formulieren‹, hörte ich ihn wieder.

Ich fühlte mich ertappt, abstreiten wäre zu offensichtlich.

Ziemlich einfallslos, mich von deiner Dämonin in die Vampirstadt locken zu lassen‹, meinte ich stattdessen.

Das war nicht meine Idee. Ich würde dir auch nicht raten, Schattensang je zu betreten, schon gar nicht mit einem Dämon‹, schmunzelte er.

Warum hat sie mich dann eingeladen?

Um dich zu töten.

Wieso?‹ fassungslos fuhr ich herum und lief zurück zur Promenade.

Ich wollte so viel Abstand, wie möglich zwischen die Kuppelstadt und mich bringen – und sie. Es wäre mir selbst in die Tasche gelogen, wenn ich mir einredete, seine Worte machten mir nichts aus, verängstigten mich nicht. Noch zu frisch waren die Wunden, die mir der Kampf gegen den Teufelsdrachen im Sommer zugefügt hatten. Zu präsent die Abwesenheit meines Zwillingsbruders.

Ohne die Antwort des Vampirs abzuwarten, blockierte ich meine Aura. So war er nicht in der Lage, sich ungebeten mir im Geiste mitzuteilen. Was wohl auch besser so war.

Während ich mich mit eiligen Schritten aus der dunklen Gasse zurück zur Promenade bewegte, nahm ich das Abendrot am Himmel wahr, ausgelöst durch die am Horizont des Meers untergehende Sonne. Sie schillerte purpur auf dem Meeresspiegel und tauchte den Moment in ein scharlachrotes Paradies. Ich hielt kurz inne, um das Schauspiel zwischen den im leichten Wind rauschenden Palmenblättern zu betrachten. Einige Menschen und selbst vereinzelte Dämonen schienen einen Schritt schneller zu gehen, wollten die Straße räumen, als hätten sie Angst vor dem, was mit der Dunkelheit käme. Furcht vor den Vampiren aus Schattensang.

Das Bimmeln einer Klingel schreckte mich auf und in dem Moment als ich mich umdrehen wollte, rauschte auch schon ein E-Scooter an mir vorbei und schlängelte sich durch die Passanten. Ein paar Meter weiter wurde das Stofftier eines kleinen Mädchens vom Fahrer mitgerissen, der sich mit den Abständen verschätzt hatte. Der Teddybär landete im hohen Bogen auf der Straße und das Kind schien aufgeschreckt zu weinen, während der Fahrer sich rücksichtslos entfernte. Wo war ihre Mutter?

Hastig schlängelte ich mich zu ihr durch und aus reiner Neugier aktivierte ich meine Aura wieder. Sie sah aus wie ein Mensch und bevor ich ihr zu nahe kam, wollte ich sichergehen, keinem Lockvogel von Dämon auf dem Leim zu gehen. An ihrer Aura erkannte ich, dass sie eine Elf war und als der Wind ihr Haar zurück wehte, gab er den Blick auf ihre spitzen Öhrchen preis, unter denen ein Rankenbildnis hervorblitzte. Ähnlich wie bei Fabri schlängelte es sich über die Seite ihres Halses fast hinunter bis zum Kragen. Ich hob ihr Stofftier vom Boden auf und reichte es dem Mädchen: »Hey Kleine, der hat dich wohl nicht gesehen.«

Schniefend sah sie zu mir auf, nahm meinen elfenbeinfarbenen Lichtbringer-Glanz genauso wahr, wie ich das zarte Jadegrün ihrer Elf-Aura.

Zögernd nahm sie den Teddy und drückte ihn dann an sich. Sie war nicht älter als sieben oder acht Jahre. Da sich sonst niemand näherte, fragte ich, wo ihre Mutter sei.

Die Kleine stotterte irgendwas von Einkaufen und Bäcker. Sie erzählte, dass sie nur kurz den Schmetterling hatte anschauen wollen, der draußen vorbeigeflogen war und plötzlich war ihre Mutter verschwunden und das Geschäft hatte sie auch nicht mehr gefunden.

»Soll ich dir helfen, sie zu suchen?«, erkundigte ich mich, wobei ich mich weiter umsah.

Wieder zögerte sie, war sich nicht sicher, ob sie mir trauen konnte oder nicht. Ich wusste, dass Elfen bereits von Geburt an über die Fähigkeit des Auren-Lesens verfügten, jedoch war diese auch erst wie bei uns Lichtbringern mit dem 16. Lebensjahr vollständig ausgeprägt.

Sie streckte ihre kleine Hand nach meinem Arm aus, berührte mich für eine Sekunde und ich spürte ihre Angst und Verunsicherung. Dieser Augenblick genügte ihr, um Vertrauen zu mir aufzubauen. Ihr Spürsinn schien die andere Wahrnehmung zu übertrumpfen, denn nun entschloss sie sich, von mir helfen zu lassen.

»Ich hebe dich auf den Arm, okay? Vielleicht siehst du sie dann schneller.« Ich wartete ab, bis sie nickte und hievte sie hoch.

Das zierliche Mädchen war schwerer, als es ausgesehen hatte. Sie schlang ihre zarten Arme um meinen Hals und schnürte mir fast die Luft ab. Ich drehte mich mit ihr im Arm und versuchte ihre vermeintliche Mutter, in der sich lichtenden Menge der Abenddämmerung auszumachen.

»Kassy, Gott sei Dank!«, erklang plötzlich eine aufgeregte Stimme hinter mir.

»Mama!«, rief auch die Kleine erleichtert aus.

Eine junge Frau mit schmalen Gliedern kam trotz ihrer Hetze mit fließenden Bewegungen auf uns zu. Der Wind wehte ihr dunkles Haar zurück, ließ ihre seidigen Strähnen die spitzen Ohren umspielen. Sie war kaum älter als ich, zumindest erweckte es den Anschein.

Ich überreichte der Frau das Kind, das sie freudestrahlend in den Arm hob und an sich drückte.

»Danke, dass du mir geholfen hast meine Mama zu suchen«, lächelte sie mir zu.

Ich reichte ihr den Teddybären und auch ihre Mutter bedankte sich: »Ich war nur einen Augenblick abgelenkt und schon war sie verschwunden  ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken kann.«

Der Wind trug schräges Gekicher von der Kuppelstadt zu uns heran.

»Schon gut«, nickte ich ihr zu, beobachtete zeitgleich die wachsende Unruhe der Passanten um uns herum.

»Es geht gleich los, wir sollten reingehen«, murmelte die junge Frau und drehte sich zur entfernten Kuppel um, obwohl man sie von unserem Standort aus nicht sehen konnte.

»Was ist los?«, erkundigte ich mich.

»Komm mit!«, forderte Kassy mich auf, als ihre Mutter loslief.

Das Kichern schlug in Johlen um, welches unverkennbar von mehreren Personen ausging und einen gruseligen Nachhall in sich trug.

»Sie werden gleich hier sein«, fügte auch die Mutter hinzu, »kommen Sie!«

Mir wurde klar, dass die Straßen sich leerte, die Fußgänger verschwanden in den umliegenden Häusern. Der Wind wehte mir ungestüm entgegen und mir war, als hörte ich das Quietschen von Reifen zwischen den Pfiffen und Rufen der Vampire. Das in meinem Kopf überhebliche Schmunzeln, welches ich Ethan zuordnete, verstärkte meinen Fluchtinstinkt. Blindlings folgte ich ihnen im aufkeimendem Sturm durch die Doppelglastür in das nächste Gebäude. Hinter mir schlüpfte noch ein älterer Mann in das Café, dann gingen urplötzlich die Rollläden vor Türen und Schaufenster hinunter. Verwirrt schaute ich mich im matten Lichtschein des Geschäfts um, als der Verkäufer vom Stromkasten aus hinter der Theke hervorkam, bewaffnet mit einer Armbrust, in die ein Holzpflock gespannt war.

Was zum Henker ging denn hier ab?!

Durch die Schlitze eines schräg hängenden Rollladens sah ich Körper wie Kometen vom Himmel fallen und auf der Straße vor dem Laden einschlagen.

Die Vampire waren da.

»Diese Wichser werden jedes Mal mehr«, fluchte der Verkäufer, die Hand fest um die Armbrust gespannt.

Wie in Stein gemeißelte Götzenbilder standen die jungen Männer einige Sekunden einfach nur da, als wären sie von einer unsichtbaren Hand in den Asphalt gerammt worden. Ich sah mindestens fünf direkt vor uns, hatte aber das Herunterkommen von weitaus mehr Gestalten wahrgenommen. Wie auf ein stilles Kommando drehten alle ihre Köpfe in die Richtung der aneinandergereihten Läden.

Instinktiv bückte ich mich und zog den Pflock aus meinem Stiefel, während die Burschen wie auf Beutejagd direkt auf die verrammelte Eingangstür zu schlichen. Mein Herz raste vor Aufregung, während die kleine Gruppe der Gestrandeten gebannt den Atem anhielt.

Ich hatte keine Ahnung, was diese Arschlöcher wollten oder warum sie hier aufmuckten, aber ich würde mich ihnen nicht kampflos ergeben. Ich war schließlich eine Vampirtochter!

Du hast keine Chance gegen sie‹, hörte ich ihn schmunzeln.

Bevor ich auch nur einen Gedanken daran verschwenden konnte, auf seine Häme einzugehen, riss einer der Vampire die Barrikade von der Doppeltür. Wie ein Stück Pappe entfernte er das Rollo aus den Angeln und warf es hinter sich auf die Straße, was die Sicht durch die Glastür auf uns freigab. Mit aufeinandergebissenen Zähnen hob ich den Arm, mit dem spitzen Pflock auf ihn gerichtet. Seine grell vor Blutdurst erleuchteten Augen musterten die Anwesenden im Café.

Mit einem resoluten Tritt ließ er die Doppeltür derart kräftig auffliegen, dass sie gegen die Pfosten bollerte und eine der Scheiben dabei zerbarst. Splitter flogen in den Raum, schützend legte ich meinen Arm vors Gesicht, obwohl sie sich zum Schaufenster hin verteilten.

Der Vampir betrat unbeeindruckt von der Armbrust das Café, doch der Verkäufer fackelte nicht lange und schoss. Mit Leichtigkeit fing der Vampir das Geschoss mit der Hand auf und warf es zu Boden. Ohne weitere Vorwarnung entriss er dem Mann die Armbrust und packte ihn grob am Hals.

»Wo ist sie?«, knurrte er bedrohlich.

Der Verkäufer röchelte unter seinem Griff, zappelte wie ein Fisch auf dem Trockenen, während der Unsterbliche ihn mit Leichtigkeit am ausgestreckten Arm so hochhob, dass nur noch seine Zehenspitzen den Boden berührten.

»Sie ist nicht hier«, japste sein Opfer.

Aha, es ging also um ein Mädchen?!

Einer nach dem anderen marschierte die Gefolgschaft des Burtalos ins Innere, verteilte sich im Laden und nahm alles unter die Lupe. Sie fegten mit den Händen einige Auslagen vom Tresen und warfen zwei Stühle und sogar einen Tisch um. Draußen gellte der Schrei einer Frau durch die Dunkelheit.

Der Vampir warf den Verkäufer zu Boden und blickte sich um. Vorsichtig schob ich die linke Hand in die Hosentasche meiner Hotpants und schraubte den Verschluss der Weihwasserflasche auf. In dem Moment schnappte er sich das Mädchen neben mir und biss sie in den Hals. Wehrlos sackte sie in seinen Armen zusammen, während er Blut von ihr trank. Dabei ließ er die anderen Anwesenden nicht aus den Augen. Die Elfenmutter verdeckte ihrer kleinen Tochter mit dem Arm die Sicht und drückte sie fest an ihre Seite. Ein zweiter Vampir ging auf den Mann direkt neben mir los und obwohl dieser sich wehrte, war es für ihn ein Leichtes, seine Schläge abzublocken. Mit mit einem Biss in den Hals zum Schweigen zu bringen. Wie das andere Opfer sank auch er im Arm des Vampirs ein. Auf einmal ging alles ganz schnell. Ich sah nur noch die verschwommene Fratze eines Dritten auf uns zukommen, seine glühenden Augen visierten die Elfenmutter an. Reflexartig hechtete ich dazwischen und versuchte, mit meinem Gewicht den spitzen Pflock in sein Herz zu treiben. Die Hand, die mich wie ein Amboss im Gesicht traf, schlug mich mühelos zu Boden und war so schnell, dass ich sie nicht mal registrierte. Ich prallte rücklings auf den Fliesen auf, mir wurde einen Moment schwarz vor Augen und der Schmerz des Aufschlags schnürte mir den Atem ab. Sein kurzes höhnisches Lachen klingelte in meinen Ohren. Als er sich trotz meines Versuchs, die Mutter der Kleinen zu schützen, auf sie stürzte, wandelte sich mein Schmerz in Wut. Ich packte seine Beine und riss mit aller Kraft daran. Er fiel tatsächlich hin! Krachend landete er neben mir auf dem Boden und starrte verwirrt an die Decke. Blut bedeckte seine Lippen. Scheinbar war umgehend so in seine Mahlzeit vertieft, dass er alles um sich herum vergessen hatte.

»Mama«, weinte das Mädchen und fing den schlaffen Körper der Elfin auf, als sie freigegeben durch den angegriffenen Vampir, ebenfalls zu Boden sackte.

Ich hatte keine Zeit, sie näher zu betrachten, da der Vampir neben mir allmählich zu sich kam. Ich musste hier weg! Ich war völlig untrainiert im Kampf gegen diese Blutsauger und sah ein, dass Ethan recht hatte – ich hatte keine Chance gegen sie. Da die anderen abgelenkt waren, nutzte ich die Gelegenheit, sprang auf und riss die Elfinnen hoch: »Los, raus hier!«

Aus dem Hals der jungen Frau sickerte Blut, doch ihre Selbstheilungskräfte verschlossen die Wunde bereits. Gemeinsam mit der Tochter schaffte ich es, sie aufzuzerren, und dirigierte sie um den Vampir am Boden herum. Plötzlich packte er mich an der rechten Wade. Sein Griff war eiskalt und fest. Seine Fingernägel schnitten mir ins Fleisch. Ich stieß die beiden zum Ausgang und versuchte, mich loszureißen. Sein anderer Arm angelte nach meinem linken Bein, welches ich mit aller Gewalt aus seiner Reichweite brachte, dabei drohte ich jedoch das Gleichgewicht zu verlieren.

»Lass mich los, du Scheißkerl!«, keifte ich ihn an.

Mit letzter Kraft riss ich das geöffnete Fläschchen Weihwasser aus der Hosentasche und kippte es über sein Gesicht. Ein unverkennbares Zischen folgte, es verätzte seine Visage und der Vampir stieß einen schmerzverzerrten Schrei aus. Gepeinigt durch die Verletzung ließ er von mir ab und hielt sich die Hände vors Gesicht. Ein zweites Mal zielte ich mit dem Pflock auf sein Herz. Mit gebündelter Kraft stieß ich das spitze Holz durch seinen Brustkorb. Er riss die Hände vom Gesicht und starrte mich entsetzt an. Ich war mir nicht sicher, ob ich richtig getroffen hatte, der Pflock war zwar versenkt, doch es spritzte kein Blut. Das Glühen seiner Augen verlosch, der Ausdruck in seinem Gesicht erstarrte und seine Hände fielen neben seinen Körper hinab.

Ich hatte einen Vampir getötet!

»Er ist tot!«, verkündete ich stolz in die Runde der restlichen Gestrandeten.

Die um mich herum schmatzenden Vampire schenkten dem Verlust ihres Gefährten keine Beachtung. Der Gestank des verätzten Gesichts wurde von einem anderen Verwesungsgeruch übertüncht.

Zwei der Cafébesucher rannten hinaus auf die Straße, so sehr mich mein Triumph auch ermutigte, ich beschloss, ebenfalls das Weite zu suchen. Sobald die anderen mit ihren Opfern fertig waren, würde ich wahrscheinlich nicht noch einmal so ein Glück im Kampf haben. Windig schlängelte ich mich zwischen den beschäftigten Vampiren hindurch zur Tür hinaus. Gerade trat ich ins Freie, als hinter mir ein Fauchen erklang. Ohne mich umzudrehen, rannte ich los in den Sturm. Bevor ich die Mitte der Straße erreichte, hatte mich der Anführer der kleinen Bande eingeholt. Er stand urplötzlich vor mir und packte mich bei den Armen. Da er mindestens zwei Köpfe größer war als ich, schüchterte mich seine Erscheinung ein, was ich mir versuchte nicht anmerken zu lassen. Sein Lächeln wirkte gruselig, seine Zähne und Lippen waren voller Blut. Seine braunen Augen leuchteten wie glühende Kohlen.

»Du hast meinen Kumpel ermordet«, zischte er mir entgegen.

In dem Moment nahm ich die schwarze Limousine wahr, die am Straßenrand stand. Die hintere Tür öffnete sich und Ethan stieg aus.

Er trug einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine weinrot bestickte Weste. Seine Lederschuhe glänzten im Schein des Laternenlichts. Sein schulterlanges schwarzes Haar hatte er im Nacken zu einem Zopf gebunden.

»Ich würde sagen, das war Selbstverteidigung«, sagte er so gedämpft, dass der Wind seine Stimme fast übertönte. Mein Angreifer sah mürrisch zu ihm herüber. Sein Atem stank nach Blut.

»Ethan«, knurrte der Vampir zermürbt.

»Derek«, entgegnete er und nickte ihm zum Gruß zu.

»Was willst du?«, fragte der Vampir, ohne mir auch nur für den Bruchteil einer Sekunde die Chance zur Flucht zu geben. Ethan näherte sich mit fließenden Bewegungen, blieb erst dicht vor uns stehen und sah den jungen Mann provokant an.

»Ich erhebe Anspruch auf Gwendoline«, antwortete er, wobei seine Mundwinkel zu einem Lächeln zuckten.

»Wer ist Gwendoline?«, fragte der Vampir.

Ethan deutete mit den Augen auf mich.

»Ich, ich bin Gwen!«, stellte ich klar.

Sein Griff lockerte sich, woraufhin ich mich aus seinen Händen wand.

Ethan lächelte mich milde an und deutete auf die offene Tür seiner Limousine: »Bitte, steig ein.«

Mein Überlebensinstinkt ließ mich meinen Stolz und Ethans Arroganz vergessen. Ich folgte seiner Aufforderung und eilte auf den Fluchtwagen zu.

In Kapitel 4 gehts weiter mit Ethan und jeder Menge Alkohol 🙂 :-O

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Ein Kommentar zu „Drachenzauber – Kapitel 3 (Blog-Roman)

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