Drachenzauber – Kapitel 8 (Blog-Roman)

(Lesedauer etwa 12 Minuten)

Dornröschen

Von den Drachenkampf-Arenen hatte ich bereits gehört, doch in einer davon zu stehen, war ein irgendwie beängstigend. Auf der schwebenden Insel neben der Akademie gab es hinter dem bemannten Wachturm nur die Stachelkuppel, die von der Größe an ein Fußballstadion heranreichte. Wie der Name bereits verriet, war die gewölbte Überdachung von innen mit stacheligem rankenähnlichen Geäst ausgeschmückt. Auch auf dem Boden und den Sitzplätzen des Amphitheaters rankten riesenhafte Stämme mit Dornen so scharf, dass sie in der Nachmittagssonne glänzten. Eine Arena, von der höchste Verletzungsgefahr ausging. Jessi erwartete uns bereits mit genervtem Gesichtsausdruck. Sie saß auf einer dicken Baumwurzel, die so groß wie eine Parkbank aus dem Boden wuchs, zwischen den Stacheln. Durch meinen Besuch in der Bibliothek waren wir spät dran und das war das erste, worüber sich das großgewachsene Mädchen mit den dunkelblonden Haaren beschwerte. »Wenn ihr die Sache nicht ernst nehmt, könnt ihr die Prüfung sowieso vergessen.«

Ihre Stimme klang tief, passte zu ihrer Statur. In der Mitte des staubigen Bodens trafen wir aufeinander und sie begutachtete Everly und mich missgünstig.

»Ich nehme die Prüfung ernst«, versicherte ich ihr und erntete einen strengen Blick.

»Hi, ich bin Gwen«, stellte ich mich freundlich vor und streckte ihr meine Hand entgegen.

Natürlich nicht ohne Hintergedanken. Ich wollte den Weg für Everly ebnen. Jessi fiel darauf rein, sie schüttelte mir die Hand und quetschte mit ihrer Pranke meinen schmalen Finger so fest zusammen, dass ich beinahe losschrie. Ihre Aura war blockiert, es war zwecklos, so etwas herausfinden zu wollen. Für mich jedenfalls.

Everly holte mit einer geschmeidigen Bewegung auf und streckte ihr ebenfalls die Hand entgegen: »Everly.«

»Jessi«, nickte sie und quetschte auch ihr zur Begrüßung die Hand, woraufhin Everlys Augen sich fassungslos weiteten, »du bist das Orakel?«

»Ja und du die Heilerin? Deinem Handschlag nach zu urteilen, kommst du mir eher wie eine Jägerin vor.« Sie rieb sich mit schmerzverzerrtem Gesicht ihre malträtierte Hand.

Jessi ignorierte die Aussage humorlos und wandte sich an Dominik: »Womit fangen wir an?«

Everly warf mir einen Seitenblick zu. ›Dass sie uns irgendeine Info gibt, können wir vergessen.

Kannst du nicht einen Zauber auf sie sprechen, der sie dazu bringt uns das Versteck zu verraten?‹, erkundigte ich mich.

Ich kann versuchen es weiszusagen, nachdem ich sie berührt habe. Du musst mich befragen. Heute Abend nach dem Training schleichen wir uns dann rein und finden heraus, ob wir gute oder böse Eier haben.‹ mit der Schuhspitze begann Everly ein großes Pentagramm in den Staub zu malen.

»Fangen wir mit was einfachem an. Einen Drachen einfangen.« Dominik sah auffordernd in die Runde.

»Einverstanden«, stimmte Jessi zu und wandte sich mir zu.

Ich nickte ebenfalls, so wie Everly, die weiter ihr Bildnis auf dem Boden malte. Dominik lief einige Meter weg und verwandelte sich in gebührender Entfernung in seine Drachengestalt. Als er mit den Flügeln aufschlug, wirbelte er den Sand so stark auf, dass er durch die Arena flog. Wie die anderen beiden musste ich meine Augen mit den Armen bedecken und schon kreiste Dominik schnaubend über unseren Köpfen hinweg. Zu weit nach oben konnte er jedoch nicht ausbrechen, da er sich sonst an den Stacheln der Kuppel verfangen würde. Er hatte trotzdem ausreichend Platz für etwaige Manöver.

Ich versetze mich jetzt in Trance, du kannst mit der Befragung loslegen.

Telepathisch?‹

Ja, das geht. Gib nur Acht, dass Dominik mich nicht wegbruzzelt.

›Wieso sollte er das tu…?‹ Bevor ich meine frage im Geiste zu Ende formuliert hatte, ging er in den Sinkflug und steuerte genau auf Everly zu.

Das Pentagramm präsentierte sie dem Drachen wie eine Zielscheibe.

»Was soll ich jetzt tun?« Überfordert starrte ich zu Jessi.

»Schieß!«, brüllte sie ungeduldig und kniete sich mit dem Gesicht in Everlys Richtung in den Staub.

Als Dominik gemeint hatte, wir fangen mit etwas einfachem an, war ich nicht davon ausgegangen gleich auf ihn schießen zu müssen.

Hastig angelte ich einen der Pfeile aus meinem Köcher, den ich mir auf den Rücken befestigt hatte und zielte. Ich war nicht schnell genug und noch bevor ich den Pfeil in die Sehne gespannt hatte, packten seine Krallen Everly und rissen sie in die Luft.

»Schieß doch endlich!«, rief Jessi und rannte los, um in Everlys Nähe zu bleiben.

Mir war als grinste Dominiks Drachenvisage, während er sie quer durch die Arena auf die andere Seite verschleppte und dort auf die Tribünenplätze fallen ließ. Mir stockte der Atem, als ich ihren durch die Trance lethargischen Körper aus gut fünfzehn Metern Höhe auf die Steintreppe herunterfallen sah. Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig und ich zwang mich, wegzusehen, aus Angst, ihren tödlichen Aufprall zu beobachten. Das erwartete Geräusch blieb aus, stattdessen ertönte eine wüste Beschimpfung aus ihrer Richtung. Nachdem ich ihre Stimme erkannt hatte, wagte ich es wieder hinzusehen. Jessi hatte ihren Sturz mit Hilfe eines Heilblumen-Zaubers abgefedert. Sie war zwar unsanft auf den Steinen aufgekommen, hatte sich dabei aber höchstens Schürfwunden zugezogen.

»Verdammt Dominik, ich war mitten in der Trance ,das ist unfair!«, wetterte Everly.

Jessi fuhr zu mir herum und schrie über die Arena aus der Entfernung zu mir. »Was ist los mit dir? Warum schießt du nicht auf den Drachen?«

Du musst schneller fragen, bevor er wieder angreift. Ich sag dir Bescheid, wenn ich soweit bin.‹ Everly kletterte an einigen Dornen vorbei und sprang die restlichen Stufen herunter in den Sand der Arena. Dort begann sie sofort wieder ein Pentagramm zu zeichnen.

Entschuldige, darauf war ich nicht vorbereitet‹, gestand ich Everly gegenüber.

Was ist los, Jägerin? Hast du Angst vor dem großen bösen Drachen?‹ höhnisch erklang Dominiks tierische Stimme in meinem Kopf, während er seinen riesigen Körper auf Kurs brachte und nun auf mich zusteuerte.

Du hast gesagt, wir fangen mit was einfachem an!‹, beschwerte ich mich und brachte meinen Langbogen in Position.

Würde es dir besser gefallen, wenn ich einfach schlafend in der Ecke liege und du ein Netz über mich werfen kannst?

Ja?!

Tja, da habe ich schlechte Nachrichten für dich: Das wird dir in der Prüfung nicht passieren.‹ Dominik ging in den Sinkflug und sein massiger Körper schnellte wie ein Stein auf mich herab.

Aus dem Augenwinkel sah ich Jessi, die mit angespannten Gesichtsausdruck über den Platz zu mir rannte, es jedoch nie rechtzeitig vor Dominik schaffen würde.

Ich schoss einen Pfeil auf Dominik ab und verfehlte. Das Geschoss schlug quer, ging mehrere Meter an ihm vorbei, so dass er nicht einmal ausweichen musste.

Oh Gott, ich war unfähig, ein Ziel so groß wie ein Flugzeug zu treffen!

Selbst Dominik machte sich über mich lustig, ich hörte sein Lachen deutlich in meinem Kopf und sah das amüsierte Aufblitzen in seinen Drachenaugen. Nervös spannte ich einen zweiten Pfeil in die Sehne, mir blieben nur noch Sekunden. Der Drache brüllte, gab dadurch den Blick in seinen riesigen schwarzen Schlund preis, in dem Feuer ungeduldig in sein Maul züngelte. Die Unterarmschiene meiner Rüstung verrutschte, während ich den Arm anwinkelte, die dilettantisch verarbeitete Kante schnitt mir in die Ellenbeuge. Für den Bruchteil einer Sekunde glitt mein Blick über das glänzende Silber, in dem sich vom Flügelschlag wehendes Ebenholzhaar spiegelte. Everly!

Wo befindet sich das Versteck, in dem Jessi die Dracheneier bewacht?‹, fragte ich an sie gerichtet, während ich auf den viel zu nahe gekommenen Drachen schoss.

Brodelnd breitete sich die Panik in meinem Kopf aus, instinktiv sprang ich zur Seite weg, doch bevor ich den Boden berührte, umhüllte mich eine unwirkliche Schwärze.

Stechende Schmerzen an meinem Gesäß und das angsteinflößende Gefühl jemand riss meinen Oberschenkel auseinander und krempelte die Innenseite nach außen, erweckte mich aus der Ohnmacht. Mein Gesicht tat weh so wie die ganze rechte Körperhälfte. Ich war auf der Tribüne aufgeschlagen. Ich schrie laut los, der Schmerz trieb mir die Tränen in die Augen und das Adrenalin durch den Körper, obwohl ich noch immer nicht wusste, was überhaupt geschehen war.

»Tut mir leid, das wollte ich nicht«, hörte ich Dominiks menschliche Stimme und spürte Hände an meinen Schultern.

»Du Vollidiot!«, keifte Everly, deren Stimme sich näherte.

»Beweg deinen Arsch hier rüber, Jessi!«, brüllte Dominik so dicht neben meinem Ohr, dass ich ihn am liebsten eine reinhauen wollte.

Ich blinzelte und endlich war mein Gehirn in der Lage, die Bilder um mich herum zu verarbeiten, wodurch mir klar wurde, was geschehen war.

Offensichtlich hatte Dominik mich in Drachengestalt vom Boden gezerrt und durch die Arena geschleppt. Dem Schmerz meines Körpers nach zu urteilen hatte er mich ähnlich wie Everly zuvor über der Tribüne abgeworfen, doch irgendwas war schiefgelaufen. Ich war auf den Stufen gelandet und durch meinen linken Oberschenkel hatte sich ein Stachel so groß wie mein Unterarm gebohrt. Die Spitze prangte oben blutverschmiert raus. Mein Magen drehte sich um, als ich die Schwere der Verletzung realisierte. Dominik presste seine Hände auf das Bein, um die Blutung zu stoppen, was den Schmerz zu 100 Prozent steigerte. Wie von selbst schnellte mein rechter Arm hoch und mit der verrutschten Rüstung vor dem Handrücken ballerte ich ihm schreiend so fest ins Gesicht, dass er rücklings umfiel und auf dem Hosenboden landete.

»Ich will dir nur helfen«, versicherte er.

»Wir müssen sie rausziehen!«, rief Everly tadelnd und packte mich von hinten unter den Armen. Sie richtete meinen Oberkörper auf, doch allein diese Bewegung verursachte unsägliche Schmerzen im Bein, die sich durch mein Gesäß bis in die Brust zogen. Ich schrie erneut auf.

»Betäube sie«, forderte Everly Jessi auf, die näher gekommen war.

Obwohl ich protestierte, beachteten sie mich nicht. Keuchend betrachtete ich das Rinnsal Blut, welches die Stufen herunter sickerte.

Ethans angespannte Stimme erklang in meinem Kopf: ›Wärst du bitte so freundlich, ein bisschen besser auf dich aufzupassen?

Achja, er fühlte meine Schmerzen – auch wenn ich mir das jetzt gerade nicht vorstellen konnte. Ich wollte wirklich nichts lieber, als dass es vorbei war.

 In meinem Mund sammelte sich der Speichel. Jessi tauchte vor mir auf und bestäubte mich mit Heilsamen, einer Mixtur, die aus dem fliederfarbenen Wildwuchs auf der Lichtung am See gewonnen und mit penetrant duftendem Salbei angereichert wurde. Es brannte mir zuerst in den Augen und als ihre Staubmischung sich auf meine Wunde legte, brannte es wie Feuer. Ich war zu schwach, um zu schreien, und kämpfte dagegen an, dass mein Körper sich der wenigen Bissen des Mittagessens erleichterte, was mir den Rachen hochstieg. Gerade als mein Körper sich unter einem kräftigen Würgereiz zu schütteln begann, schlief ich ein. Mein eigener Schrei erweckte mich aus der Ohmacht, gellte so markerschütternd durch meine Kehle, dass sie mir brannte. Sie hatten mein Bein aus dem Stachel gezerrt. Mein Fleisch von dem menschlichen Grillspieß entfernt. Es fühlte sich an, als hätte jemand meinen Oberschenkel in zwei Hälften gerissen. Ich wollte davonlaufen, dieser Situation irgendwie entkommen. Dem Schmerz mit allen Mitteln entfliehen. Doch ich lag einfach nur in Dominiks Armen und heulte. Über mein lautes Organ hinweg stritten er und Everly sich mit Jessi, da sie es nicht geschafft hatte mich wie geplant, mit ihrem Zauber dauerhaft auszuknocken. Hände legten sich auf meine Wunde, brannten wie Salz darin, während die Lichtbringerheilkräfte ihre Wirkung entfalteten.

»Es tut mir leid, hörst du?«, raunte Dominik dicht an meinem Ohr, wodurch mich das Kitzeln seines warmen Atems für eine Sekunde ablenkte.

Ich spürte eine leichte Linderung an dem klaffenden Loch, das einst mein zierlicher Oberschenkel war. Ich vernahm weit entfernt Everlys diffuse Stimme in meinem Kopf. ›Die Dracheneier sind in der Orakelstätte, auf der zweiten Wachinsel.

 Diese Information konnte ich nicht zuordnen und sie verschwamm sofort wieder in meinem Geist. Eine Sekunde darauf verlor ich unter Wimmern erneut alle Kräfte und glitt in eine wohlige Schwärze über.

*

Um mich herum war es dunkel, als ich zu mir kam. Die Schmerzen waren kaum noch spürbar, nur wenn ich das Bein anspannte, um es zu bewegen, durchzuckte mich ein unverheiltes Stechen. Jemand stand an meinem Bett und hielt meine Hand. Ächzend versuchte ich mich aufzurichten, um mir darüber klar zu werden, wo ich war. Doch die wenigen Zentimeter, die ich schaffte, sackte ich sofort wieder zusammen und sank auf das Kopfkissen zurück.

Hey Dornröschen‹, Ethans Stimme erklang melodisch und wohlgestimmt in meinem Kopf. ›Bleib ruhig liegen, du wirst schon wieder. Morgen springst du wieder herum, wie ein Reh.

War ich bei ihm? Was war geschehen? Wie kam ich ins Refugium? Ich hörte das typische Flurgetrampel der Internatsbewohner auf dem Gang und realisierte, dass ich mich in meinem Zimmer befand. Nur langsam gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit. Mein Mund war vollkommen ausgedörrt, als hätte ich seit Tagen nichts mehr getrunken.

Das war nicht Dominiks Hand, die meine leicht hielt und mit dem Daumen über den Handrücken strich. Seine Hände waren prankenhafter, nicht so grazil und kühl. Ich könnte schwören, es war Ethan, aber das ergab überhaupt keinen Sinn. Er konnte das Refugium nicht verlassen. Und ich befand mich eindeutig in meinem Zimmer in der Lichtbringer Akademie.

Eine zweite Hand legte sich auf meine Wange, Fingerspitzen glitten verspielt zu meiner Kieferpartie.

»Ethan?«, stieß ich mit trockener Stimme hervor.

Er war es, ich war mir absolut sicher.

»Verrat mich nicht, Gwendoline«, flüsterte er.

Er beugte sich zu mir herunter, wobei sich ein schützender Kokon seines belebenden Ingwerduftes um mich hüllte. Sanft berührten seine Lippen meine Stirn und liebkosten mich. Mein Herz raste drauf los, mit flachem Atem lag ich gebannt unter ihm und ließ es geschehen. Am liebsten wollte ich ihn an mich ziehen, aber jede körperliche Anspannung schmerzte. Seine Lippen ruhten einen langen Augenblick auf meiner Stirn, bevor er sich wieder erhob.

»Was machst du denn nur hier?«, fragte ich ihn. Was, wenn sie ihn erwischten? Die Vampire durften das Refugium nicht verlassen.

»Ich habe mir Sorgen um dich gemacht«, antwortete er.

Mit dem stärksten Willen versuchte ich die aufkeimende Freude über sein Geständnis zu unterdrücken, um sie mir vor ihm nicht anmerken zu lassen.

»Ich würde dir ja mein Blut anbieten, um deine Heilung anzufachen, aber das wäre im Moment wohl keine gute Idee«, meinte er.

Richtig, das würde unsere Blutsverbindung besiegeln. Ich nickte schlapp und wir lächelten uns einen langen Augenblick gegenseitig an. Lang genug, dass es Magenkribbeln in mir auslöste.

Von draußen näherten sich Schritte und er blickte zerknirscht über seine Schulter.

»Ich muss los«, erklärte er knapp und strich mir ein letztes Mal übers Gesicht.

Da mir das Sprechen schwerfiel, sendete ich ihm meine Gedanken: ›Danke für deinen Besuch.

In dem Moment öffnete jemand von draußen die Zimmertür, und ein blendender Lichtkegel flutetet das Zimmer. Erschrocken kniff ich die Augen zusammen und wartete darauf, dass Ethan entlarvt wurde.

»Gwen, bist du wach?«, fragte Dominik stattdessen.

»Wie fühlst du dich?«, fügte Everly hinzu.

Verwundert blinzelte ich gegen das Licht an. Er stand da, direkt vor ihnen, aber sie nahmen ihn überhaupt nicht wahr.

»Wesentlich besser, aber Bewegungen schmerzen noch«, antwortete ich nach einer zu langen Pause.

Die beiden betraten das Zimmer, woraufhin Ethan sich in Bewegung setzte und durch den offenen Türspalt unbemerkt hinaus auf den Flur schlüpfte.

»Du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt«, lächelte Everly und kam zu mir ans Bett, um sich auf die Kante zu setzen.

Ethan warf mir von draußen noch einen kurzen Blick zu, bevor Dominik ihm die Tür vor der Nase schloss. Everly sah mich mit gerunzelter Stirn an und warf dann einen Blick zurück über ihre Schulter. Sie schien zu spüren, dass etwas vor sich ging. Doch Ethan war längst über alle Berge und so widmete sie sich wieder voll und ganz mir.

»Ist ja super gelaufen, mein erstes Training, hm?«, versuchte ich zusätzlich abzulenken.

»Morgen wird es besser«, versprach Dominik und stellte den Styroporbecher mit der duftenden Thaisuppe, die er in der Hand hielt, auf meinem Nachttisch ab.

»Jessi ist völlig unfähig, solange sie im Team bleibt, brauchen wir gar nicht weitermachen«, wetterte Everly, »das ist das reinste Selbstmordkommando!«

Ethans Duft lag mir noch in der Nase, ich spürte seine Lippen auf der Stirn, seine Finger an meiner Wange. Der Kampf von morgen war mir gerade total egal. Selbst ob ich die Prüfung bestand oder nicht. Alles, woran ich denken konnte, war er. Mein Herz wollte sich nicht beruhigen und es fiel mir schwer, mir ein breites Grinsen zu verkneifen.

In der Ferne ertönten Glockenschläge, die ich seit meiner Ankunft hier noch nie gehört hatte. Erst von der einen Seite, dann schallten sie aus der anderen Himmelsrichtung durch die Dunkelheit.

»Dominik, würdest du das Fenster schließen?«, bat ich ihn genervt.

Er schlenderte zum offenen Fenster und spähte hinaus auf die Insel der Akademie.

»Was ist das, warum läuten sie die Glocken?«, fragte Everly neugierig und stand auf, um neben ihm aus dem Fenster zu sehen.

Ich nutzte die Gelegenheit und gab mich einem verträumten Lächeln hin, schwelgend in der Erinnerung seiner Zuneigung.

Er hatte mich Dornröschen genannt, der Schuft. Leider gefiel mir sein neckischer Spitzname.

Die Tür wurde ein weiteres Mal aufgestoßen, woraufhin mein besorgt dreinblickender Bruder Draca hereinstürmte. Hayley und ihr Schweizer Schäferhund folgten. Sie beachteten Dominik und Everly nicht, sondern stürmten direkt auf mich zu.

»Wir sind so schnell gekommen, wie möglich«, beteuerte Hayley und ergriff meine Hand.

Damit strich sie die lebhafte Erinnerung seiner Berührung von mir. Sofort glitt belebende Energie in meinen Körper. Auch Draca legte seine Hände auf. Die beiden verfügten über besondere Kräfte, viel intensiver als die der restlichen Lichtbringer oder meine Selbstheilungskräfte. Sofort spürte ich eine erhebliche Erleichterung.

»Danke, es geht schon wieder«, versprach ich.

Ihre Fürsorge rührte mich. Hayley lächelte mich völlig unbefangen an, in ihren Augen las ich nichts als Güte. Mich überkam ein schlechtes Gewissen, da ich mich in letzter Zeit so voreingenommen verhalten hatte.

»Wisst ihr was da los ist?«, erkundige Dominik sich, während er die Lage draußen im Auge behielt.

Draca sah Hayley an, wie um sich zu vergewissern, und als sie ihm zunickte, sagte er: »Die Dracheneier wurden gestohlen.«

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