Drachenzauber – Kapitel 14 (Blog Roman)

(Lesedauer etwa 8 Minuten)

-Countdown der Zerstörung-

Fabri beorderte die Irrwische mit einer Kopfbewegung, sich von ihm zu lösen. Daraufhin schwirrten die kleinen Wesen auseinander und verteilten sich an der Decke des Raumes, wodurch dieser durch bizarr flackerndes Weißlicht erhellte.

»Was soll dieser Aufmarsch mit deiner Vampir-Armee?«, beschwerte Draca sich bei Ethan.

Everly entzündete die Kerzen erneut, während Fabri weiter den Zauberspruch vor sich hinflüsterte.

Ethan ignorierte ihn, sah mich ernst an: »Gwendoline, wir sollten reden.«

Das Leuchten seiner Augen versetzte mich in Alarmbereitschaft. Ich schüttelte den Kopf und spürte, wie das Salz auf meiner Haut prickelte.

»Bin beschäftigt«, erwiderte ich kurz angebunden.

Der Zauber hob die Blockade meiner Aura auf, so sehr ich auch versuchte, dagegen anzusteuern.

»Bitte, gib mir nur eine Minute dir zu erklären…«

»Ich will deine Erklärungen nicht hören«, fuhr ich ihm erbost über den Mund.

Dominik grinste schief, woraufhin er einen abwertenden Blick von Ethan erhielt.

»Zum Reden musst du wohl kaum die ganze Vampirstadt mitbringen«, mischte Draca sich ein.

Seine Stimme klang angespannt. Das gefiel mir überhaupt nicht.

»Du lässt mir ja keine andere Wahl«, knurrte Ethan meinen Bruder mit aufeinandergebissenen Zähnen an.

»Über dein Schicksal entscheidet der hohe Rat, nicht ich. Egal wie viele deiner Vampire und Dämonen du anschleppst, wir sind stärker.« Draca verschränkte entschlossen die Arme.

Ethan lachte schnippisch und deutete mit einer ausladenden Handbewegung auf die Vampire hinter sich. »Wir stehen doch hier – bei Tageslicht! Was genau macht euch Lichtbringer jetzt noch stärker als uns Vampire?«

Als Draca nicht sofort antwortete, fuhr er übermütig lachend fort: »Ganz Schattensang hört dir zu – verrat es uns!«

»Fordere mich nicht heraus, Vampir«, knurrte Draca. Ich spürte, dass er versuchte, ruhig zu bleiben, um das Ritual nicht zu gefährden. Es war nicht ganz unwahrscheinlich, dass Ethan uns provozierte, um das Drachenei zurückzubekommen. Der finstere Blick des Vampirherrschers ließ darauf schließen, dass er noch viel weiter gehen würde, deshalb rief ich hastig dazwischen: »Du willst reden – bitte, dann rede!«

»Willst du mich nicht hereinbitten?«, erkundigte er sich und ein charmantes Lächeln huschte über sein viel zu attraktives Gesicht.

»In eine Kirche? Auf keinen Fall!« Ich schenkte ihm ein müdes Schmunzeln.

»Wo sind die anderen Dracheneier?«, fragte er zerknirscht.

Enttäuscht starrte ich ihn an. Wenn es einen letzten Funken Hoffnung in mir gab, hatte er ihn gerade eben zertrampelt.

Die Hoffnung, dass er mir erklären wollte, weshalb er mich betrogen hatte. Rest in peace.

Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen und ein Pokerface zu wahren.

»An einem geheimen Ort«, antwortete Dominik für mich.

Worauf hast du gewartet?‹, hörte ich Ethans Stimme plötzlich in meinem Kopf. ›Dass ich dir erkläre, weshalb ich mit Ruby schlafe?‹, bohrte er hochmütig weiter.

In der Sekunde fiel mir ein, dass ich nicht mehr Herr meiner Aura war. Nicht nur, dass er dadurch wieder telepathisch mit mir kommunizieren konnte – er als Vampir konnte nun auch wieder meine Gedanken lesen. Abgesehen davon spürte er ohnehin meine Gefühle. Schließlich hatte er mein Blut getrunken, was uns einseitig verband.

Seine Worte brannten stärker in meinem Herzen, als jedes Zaubersalz es jemals könnte.

Ja zum Beispiel‹, antwortete ich mental und kämpfte wieder gegen die Tränen an.

Eigentlich war das alles, was ich wissen wollte. Ich wollte wissen, ob ich ihm etwas bedeutete oder er mich nur ausgenutzt hatte.

Er musste mir weder erklären, weshalb er die Dracheneier gestohlen hatte noch sonst irgendetwas. Ich wusste doch schon alles. Er wollte mit ihnen experimentieren. Sein großes Heilmittel erschaffen.

Liegt das nicht auf der Hand?‹, fragte Ethan.

Ich schüttelte den Kopf und schniefte.

Ich wünschte, wir hätten das hier zusammen gemacht‹, seufzte er.

Dann hättest du mich nicht ghosten sollen, nachdem du die Dracheneier von mir gestohlen hast.

Er raufte sich das Haar und drehte sich einmal um die eigene Achse, als focht er einen inneren Kampf aus. Als er mich wieder ansah, gab er zurück: ›Glaub mir, es ist besser für dich – du willst nicht mit mir zusammen sein.

Mit all meinem Mut gab ich zurück: ›Aber du offenbar mit mir, wenn dein Sukkubus meine Gestalt annimmt.

Er lachte freudlos und machte einen Schritt auf die Tür zu, als wolle er hereinkommen.

»Wohhh!«, stieß Dominik erschrocken hervor und starrte ihn aus großen Augen an.

Er konnte als Vampir nicht ohne Einladung die Kirche betreten, das würde ihn genauso schnell töten wie das Sonnenlicht.

Ethan donnerte mit den Händen gegen den äußeren Türrahmen und ignorierte die anderen, sah mich verzweifelt an. ›Ich weiß so viel über dich. Selbst, dass du versuchen würdest, mit mir auszukommen. Du bist gut. Rein. Ich bin das genaue Gegenteil. Du kennst mich überhaupt nicht. Du siehst nur das von mir, was ich dich habe sehen lassen.

Schätze den nackten Sukkubus in deinem Bett sollte ich nicht sehen‹, ritt ich weiter drauf rum.

Er deutete ein Kopfschütteln an: ›Nein, das solltest du ganz bestimmt nicht sehen.

Ich weiß, dass du ein Heilmittel gegen die für Vampire tödlichen Sonnenstrahlen suchst. Ich weiß, weshalb du an Drachen experimentierst. Ich weiß, dass du nur nett zu mir warst, weil du mein Blut brauchtest.

Was, wenn das nicht der einzige Grund war?‹, fragte er.

Ich wich seinem Blick aus und bemerkte, dass unsere Freunde gebannt zwischen uns hin und her schauten. Sie bekamen von unserer telepathischen Unterhaltung nichts mit, wohlwissend, dass diese stattfand.

Dieses Hin und her machte mich madig.

Ist es denn so?‹, fragte ich gerade heraus.

Wir sahen uns einige lange Sekunden gegenseitig an, dann antwortete er: ›Das spielt jetzt keine Rolle mehr.

Mir kullerte eine Träne über die Wange, das Loch in meinem Herzen wurde wieder ein Stück größer.

Fabri zog einen Dolch und sah mich auffordernd an. »Ich brauche dein Blut«, wisperte er.

Ohne Ethans Blick auszuweichen, nickte ich und hielt Fabri meine Hand hin. Der Elf setzte die kühle Klinge in meiner Handfläche an und schnitt mir in die Haut. Es brannte und ich zuckte kurz zusammen. Fabri zog meine Hand über das auf dem Boden gemalte Symbol, bis mein Arm ganz ausgestreckt war. Da mein Körper die Verletzung sofort wieder heilen wollte, drückte der Elf gegen die Wunde, so dass das Blut heraustropfte. Zischend trafen die Blutstropfen auf das Drachenei, während Fabri einen Vers immer wieder wiederholte, wobei sein Flüstern in einen Singsang verfiel. Er ließ meine Hand frei, die ich zögernd zurückzog und beobachtete, dass die Wunde in der Handfläche verheilte. Der Innenraum der Kirche füllte sich mit einem abstoßenden Geruch, der eindeutig vom Drachenei ausging.

Ich spüre, wie sehr du Godric zurückwillst. Genauso sehr verlangt es mir danach, mich wieder frei bei Tageslicht bewegen zu können – außerhalb der Kuppelstadt.

Ungläubig zog ich die Augenbrauen zusammen: ›Vergleichst du gerade deine leichte Eingeschränktheit mit dem Verlust meines Bruders?

Ich versuche lediglich, dir begreiflich zu machen, warum ich unbedingt dieses Heilmittel benötige‹, entgegnete Ethan gekränkt.

Ich versuchte, den Ärger über seinen taktlosen Kommentar herunterzuschlucken. ›Wieso kannst du dich nicht einfach so akzeptieren, wie du bist? Mit deinen Schwächen?

Weil es keine Schwächen sind, sondern ein Fluch!‹, knurrte er und sein weicher Blick schlug um in Wut.

Ein Sog, der meinen Körper erfasste, lenkte meine Aufmerksamkeit zurück auf das Ritual.

Ethan sprach seine Drohung laut aus: »Ich will die anderen beiden Dracheneier oder dieses Ritual ist zu Ende, bevor es vollzogen wurde!«

Erschrocken sah ich zu ihm auf, er wich meinem Blick aus.

Das würde er nicht tun!

»Niemals!«, fauchte Draca ihn an.

»Wir wissen selbst nicht, wo sie sind«, fügte Dominik wahrheitsgemäß hinzu.

»Gwendonline, ich meine es ernst!«, wandte Ethan sich an mich.

»Wag es ja nicht!«, ermahnte ich ihn.

Eine mächtige Kraft zerrte an mir, sog an meinem Innern und erschwerte es mir, mich auf das Geschehen zu konzentrieren.

»Fünf«, begann Ethan unbeeindruckt zu zählen.

Dominik und Draca drehten sich zu uns um und warfen sich schließlich einen vielsagenden Blick zu. Was immer sie ausheckten, jetzt war der falsche Augenblick dafür in Chaos zu verfallen!

»Vier«, zählte Ethan seinen Countdown weiter runter.

»Ethan lass es!«, rief ich ermattet.

Fabri flüsterte weiter seinen Zauberspruch, hatte seine Umwelt komplett ausgeblendet und konzentrierte sich vollkommen auf das Ritual, was ich spürte. Die Kraft sog meine Aura zum Drachenei. Behäbig schlängelte sich ein hellblauer Schleier von meinem Körper zum Pentagramm. Wie eine Nebelwolke breitete sich mein Lichtglanz auf dem Drachenei aus.

»Schließt die Tür!«, forderte Hayley die Jungs auf, als ich matt in ihrem Arm zusammensackte.

»Drei«, knurrte Ethan, wobei seine Fangzähne im Dunkeln glänzten.

Draca verpasste der Eingangstür einen so kräftigen Tritt, dass sie laut scheppernd vor Ethans Nase ins Schloss knallte.

Ich hatte das Gefühl, jemand absorbierte all meine Energie. Wie durch eine unsichtbare Pumpe wurde ich leergesaugt, bis meine Aura immer heller und schließlich fast durchsichtig wurde.

»Zwei«, zählte Ethan vor der Tür unbeeindruckt weiter. Wir konnten ihn durch die Buntglasfenster beobachten, so wie er uns.

Ich wollte meine Augen schließen, nur für einen kurzen Augenblick. Ich war so müde. Alles drehte sich. Nur beiläufig bekam ich mit, dass es laut donnerte und dabei ein Windstoß die Barrikaden der Fenster aus den Angeln blies. Alles flog uns um die Ohren, doch ich sackte friedlich in Hayleys Armen zusammen, die schützend meinen Kopf umschlungen hielt. Fieberhaft versuchte ich, die Augen aufzureißen, als ich irgendwo weit entfernt Ethan »Eins« sagen hörte.

Fledermäuse schwärmten durch die offenen Fenster hinein, über unsere Köpfe hinweg, streiften unsere Körper, flatterten wild umher. Ohne sie zu berühren, stieß Ethan die Tür auf, riss sie dabei aus den Angeln. Es fiel mir schwer, die Lider zu öffnen, durch meine Wimpern sah ich verschwommen, wie er die Hand in meine Richtung ausstreckte. Ein so starker Wind blies in den Raum, drückte mich noch stärker an Hayley und warf meinen Bruder und Dominic rücklings um. Everly krallte sich kreischend an Fabri und schlug um sich, um die Fledermäuse zu verjagen.

Aus dem Augenwinkel sah ich, dass meine Aura auf dem Boden einen Nebelschleier bildete, aus dem sich ein Körper formte. Mit aller Kraft riss ich die Augen auf, um zu sehen, wie Godric ins Leben zurückkam. Doch plötzlich löste sich das Drachenei aus dem Szenario und wurde aus der Mitte der Verwandlung entrissen. Ich schnappte nach Luft, denn augenblicklich war die Verbindung unterbrochen. Ich spürte, dass der Zauber gekappt war. Das Drachenei flog durch Ethans telekinetische Kraft wie ein Geschoss quer durch das Kirchenschiff und direkt in seine Hände. Fabri rief einen Zauberspruch, doch kaum hatte er seine Lippen verlassen, landete ein loses Brett von einer der Kirchbänke auf seinem Hinterkopf und knockte ihn aus. Wie ein nasser Sack fiel Fabri zur Seite hin um, Everly fing ihn gerade rechtzeitig seinen Kopf auf, so dass er nicht auf dem harten Boden aufschlug.

Ethan strich über das Drachenei und sah mich durch das Chaos hinweg an.

Das hätte nicht so kommen müssen‹, ließ er mich wissen.

»Nein!«, stieß ich entsetzt aus und begriff, was geschah.

Panisch drückte ich Hayleys Arm von meinem Gesicht weg, um auf den Boden zu sehen. Der Nebelkörper hatte sich aufgelöst und rein gar nichts hinterlassen.

Ethan hatte den Drachenzauber unterbrochen!

Mit Tränen in den Augen sah ich, dass er sich umdrehte, um zu gehen.

Wie in Zeitlupe trug er das Drachenei, das mir Godric zurückgeben sollte, von mir weg. Dominik und Draca sprangen von den Kirchbänken auf, auf die sie geplumpst waren und schauten verdattert zwischen mir und dem Vampir hin und her.

Verzweifelt stieß ich mich von Hayley ab, um ihm nach draußen zu folgen.

Endlose Sekunden verstrichen, ehe ich noch vor den Jungs die Tür erreichte.

»Gwen, nicht!«, rief Hayley mir nach.

Taub für ihr Flehen trat ich hinaus auf den Friedhof, auf dem Ethan zwischen den unzähligen Vampirkörpern verschwand. Hämisch grinsend starrten die Unsterblichen mich an. Plötzlich wurde es so gleißend hell, dass ich mir instinktiv die Hand vor die Augen hielt. Vom Himmel ergoss sich ein Feuerregen über die Vampire.

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