Drachenzauber – Kapitel 18 (Blog-Roman)

(Lesedauer etwa 12 Minuten)

-Die Versiegelung-

Mein Kopf war leicht und irgendwie befreit, als ich aufwachte. Mir war klar, dass Laurion mich in Schlaf versetzt hatte, um mich aus dem Weg zu räumen. Ein netter Vampir-Taschenspielertrick, den auch Godric beherrscht hatte. Mein Vater hatte einst behauptet, dass alle Vampirnachkommen diese Kräfte besäßen und nicht nur das Schattenkind. Ich hatte mich allerdings nie daran versucht.

Sie hatten mir einen Babysitter ans Bett gesetzt. Dominik saß auf dem Schreibtischstuhl und las in dem kargen Licht der Tischlampe in Everlys Tagebuch.

»Wenn ich ihr das erzähle, bist du ein toter Mann«, murmelte ich und rieb mir die Augen.

Erschrocken zuckte er zusammen und warf das Buch in die Schublade, aus der er es hervorgekramt hatte. Ich suchte nach meinem Handy, um die Uhrzeit zu checken, aber es lag weder an seinem gewöhnlichen Platz auf dem Nachttisch, noch befand es sich in meiner Rocktasche.

Dominik wusste, wonach ich suchte und kramte schließlich mein Handy aus der Innentasche seines Schulblazers. Er zeigte es mir nur kurz und steckte es dann wieder ein: »Anweisung von oben.«

»Glauben sie ich verschicke eine whatsapp Nachricht in meinem Schattensang-Gruppenchat, um alle Vampire zu warnen?« Mürrisch richtete ich mich im Bett auf.

Dominik wich meiner Frage aus und deutete auf die Schublade, in die er das Tagebuch geworfen hatte: »Wusstest du, dass Everly in Alejandro verknallt ist?«

Ich zuckte mit den Schultern. Der ehemalige Mitbewohner meines Zwillingsbruders war mir sowas von egal, dass ich nicht einmal Interesse hatte, über seinen Gossip nachzudenken.

»Nun, ich wusste nicht, dass in Everlys Brust überhaupt ein Herz schlägt, aber das geht wohl nur sie etwas an«, gab ich zurück, »wie spät ist es?«

Fieberhaft überlegte ich, wie spät der Sonnenaufgang sein konnte. Es war Ende Oktober, in den letzten Tagen war sie irgendwann um kurz vor 8 aufgegangen.

»Zu spät, um etwas zu unternehmen«, antwortete Dominik und spielte auf seinem Handy herum, um mich nicht ansehen zu müssen.

Ich stand vom Bett auf, woraufhin doch noch Leben in sein desinteressiertes Gesicht kehrte. Aufmerksam beobachtete er, wie ich zum Fenster schlenderte. Von hier konnte ich die Uhr am Eckgebäude der Einkaufspassage sehen. Das goldene Ziffernblatt glänzte dekadent unter der Beleuchtung. Es war kurz nach sieben Uhr.

»Ich nehme an, ich habe Hausarrest?«, erkundigte ich mich und warf einen Blick zur geschlossenen Zimmertür.

»Jap«, meinte Dominik und widmete sich wieder dem Handy, »versuch es gar nicht erst – die Tür ist verschlossen.«

Dafür, dass mich niemand ernst nahm, sahen sie meine Verwahrung umso gewichtiger. Sie hätten mir auch einfach fünf Minuten zuhören können, anstatt sich Sorgen machen zu müssen, dass ich mich aus ihrem Beschluss raushielt.

Immerhin ging es um meinen… was auch immer er für mich war.

»Ein Gutes hat es, dass Riandra und Velor nun die Herrschaft übergeben wurde«, murmelte ich vom Fenster aus und beobachtete, ob ich Wachleute erspähen konnte.

Niemand war da, alle schienen von den neuen alten Weltenhütern für den großen Zauber rekrutiert worden zu sein.

»Hm«, entgegnete Dominik nur, ohne von seinem Telefon aufzusehen.

Schon klar, er zeigte mir die kalte Schulter, weil ich ihn so fies hatte abblitzen lassen.

»Sollte in Velor noch irgendwo ein Stück meines Bruder übrig sein, so wird er immernoch wollen, dass wir Godric zurückholen und sich dafür entscheiden«, wusste ich.

Es war eine Erleichterung das festzustellen. Allerdings mussten sie das Drachenei dazu erst einmal bekommen.

»Ich hoffe für dich, dass es klappt«, antwortete er und es klang aufrichtig.

Ich hielt einen Augenblick inne, weil es mich dazu brachte daran zu denken, dass der Plan schiefgehen könnte. Mal wieder.

Dominik sah zu mir auf und betrachtete mich nachdenklich.

»Ich mache das hier, weil ich denke, dass es zu deinem besten ist, nicht weil ich dein Feind bin. Egal, was du zu mir sagst. Und sollte irgendetwas nicht so laufen, wie du es dir vorstellst, bin ich für dich da. Als Freund. Ohne Hintergedanken.« Er lächelte aufrichtig. Ich war ihm dankbar für die Geste.

Trotzdem war er ein Verräter.

Seufzend setzte ich mich auf den kleinen Hocker neben ihm und sah ihn bedrückt an: »Danke, das weiß ich.«

Einen Moment sahen wir uns gegenseitig an und ich hatte fast das Bedürfnis, ihn zu umarmen. Vielleicht hätte ich dem nachgegeben, wäre ich nicht so sauer auf ihn.

»Tut mir leid, was ich zu dir gesagt habe. Nein, nicht was ich gesagt habe. Aber wie ich es gesagt habe.« Ich lächelte ihn an.

»Vielleicht wird ja doch irgendwann mal was zwischen uns sein«, grinste er schelmisch zurück.

»Nein, eher nicht«, versicherte ich ihm.

»Wenn du den Vampirtypen vergessen hast«, meinte er frech und zwinkerte mir mit einem Auge zu.

Ich schüttelte den Kopf: »Das werde ich nicht.«

»Ich kann warten. Lichtbringer haben ein langes Leben.« Er steckte das Handy weg und grinste zufrieden.

Ich legte den Kopf schief, so wie Godric es immer getan hatte, wenn er etwas im Schilde führte, und sah ihn einnehmend an. »Heißt das, du verzeihst mir?«, säuselte ich mit einem Unschuldslächeln.

Er griff meine Hände und sah mir lächelnd in die Augen: »Naja, ich ziehe es in Erwägung.«

»Ich komme darauf zurück«, versicherte ich ihm.

Dabei kanalisierte ich alle meine Kräfte in unsere Berührung und sah ihm in die schwarzbraunen Augen. Ich wünschte mir, dass Dominik in einen tiefen Schlaf fiel. Plötzlich blinzelte er verwundert, sein Griff ermattete, die Glieder entspannten sich. Er holte Luft, um etwas zu sagen, doch dann übermannte ihn der Schlaf, bevor ein Wort seine Lippen verließ. Dominik sackte auf dem Stuhl zusammen und atmete tief.

Begeistert darüber, dass es funktioniert hatte, betrachtete ich mein Opfer einen Moment. Dann entfernte ich ihm sein Armband und durchsuchte die Taschen seines Jacketts nach dem Zimmerschlüssel. Gleichzeitig gab ich meine Aura frei, um Ethan telepathisch zu kontaktieren. Er antwortete nicht, wofür es mehrere Gründe gab. Entweder ghostete er mich aufgrund unseres letzten Zusammentreffens oder sie hatten bereits mittels einer magischen Barriere jegliche Gedankenströme nach Schattensang abgeschirmt.

So schnell ich konnte, eilte ich zum Landeplatz, um von dort aus das Portal nach Heilgrund zu nehmen. Dank Dominiks Armband war es kein Problem, den Durchgang zu aktivieren, und so war ich wenige Minuten nach meiner Flucht in der Hauptstadt. Von dort aus mit der Untergrundbahn weiterzufahren hätte mich zu viel Zeit gekostet. Obwohl es noch früh am Morgen war, herrschte in Heilgrund bereits reges Treiben. Die Einwohner wandelten die schmalen Gassen entlang und die Geschäfte waren geöffnet. Diese Stadt schien niemals zu schlafen.

 Während der Clubaufenthalte im Outsider hatte ich davon gehört, dass Arkanisten in Heilgrund für einen geringen Obolus ihre Dienste anboten. Deshalb machte ich mich auf schnellsten Weg zum Zauberbedarfsladen in der unteren Ebene der Felsenstadt. Vor dem kleinen Laden schwebten Portalbildnisse im Miniformat, die alle möglichen Ecken von Immerherz darstellen. Ich betrachtete sie im Vorbeigehen und trat durch die offenstehende Tür in einen kleinen Laden, in dessen Mitte ein großer Kessel stand. Die Regalwände waren mit dicken Büchern, Kisten, Umhängen und sonstigen Utensilien bespickt. Von dem Kessel, der direkt über einer kleinen Flamme in einer Halterung eingelassen hing, ging ein eigenartig würziger Geruch aus. Davor standen zwei Männer mit aufgeschlagenen Büchern in der Hand, die ich offensichtlich bei etwas unterbrach. Sie sahen mich über die Buchseiten hinweg mürrisch an.

»Entschuldigen Sie«, meinte ich und deutete auf die offene Tür, »ich benötige ein Portal.«

»In einer halben Stunde«, winkte einer der Männer ab und sah wieder in das Buch.

»Jetzt sofort, es ist sehr dringend«, beharrte ich.

Als sie nicht reagierten, fügte ich hinzu: »Ich zahle mit Jungfrauenblut.«

Das zog. Was auch immer die Sache mit dem Jungfrauenblut war, ich besaß diese kostbare Währung und nutzte es für mich aus.

Sie zapften mir eine Kanüle von meinem Blut ab und im Anschluss boten sie mir an das gewünschte Portal direkt vor die Toren von Schattensang zu zaubern. Das war mir allerdings zu auffällig und so einigten wir uns auf die Einkaufsstraße im Refugium, von der aus ich selbst hinlaufen konnte. Da ich noch die Schuluniform trug und diese als zu auffällig erachtete, ließ ich mir noch einen ihrer dunklen Kapuzenumhänge geben.

Als ich durch das Portal gestiegen war, spürte ich den Temperaturunterschied. Obwohl die Sonne noch nicht aufgegangen war, war es wesentlich wärmer hier als in der kühlen Felsenstadt. Dennoch setzte ich mir die weite Kapuze auf, um mein Gesicht darin zu verbergen, blockierte meine Aura und machte mich dann auf den Weg zur Vampirstadt.

Ich hörte die Lichtbringer schon von weitem, noch bevor ich sie in der Dunkelheit überhaupt aus der Ferne ausmachen konnte. Sie flüsterten und summten in einem gruseligen Einklang miteinander. Die Drachen hatten scheinbar alle Lichtbringer zusammengetrieben, die sie auf die Schnelle finden konnten. Vor der Stadt stand ein ganzer Pulk von Lichtbringern, sie hielten sich alle bei den Händen und murmelten den gleichen Zauber. Auch die Vampire waren mittlerweile auf sie aufmerksam geworden. Aufmerksam arbeitete ich mich auf der Straße in Richtung Schattensang vorwärts und versuchte, im Schatten zu bleiben. Immer wieder drehten sich Lichtbringer um, Wachsoldaten die die beiden Anführer des Zirkels aus dem Diesseits mitgebracht hatten, beobachteten das Geschehen rund um die Stadt.

Es flogen zwei Dämonen über mich hinweg und diskutierten miteinander, dass dieses Aufgebot vor den Toren der Stadt nichts gutes zu bedeuten hatte.

»Hey«, rief ich ihnen halblaut nach.

Sie drehten sich kurz zu mir um und ignorierten mich dann, flogen weiter.

Enttäuscht beobachtete ich, wie sie den Eingang zur Stadt passierten und darin verschwanden. Sie hätten mich im Handumdrehen zu Ethan bringen können. Wenn mir einmal meine kleine Gestalt zu Gute kam, dann war es jetzt, wo ich mich flink und nahezu unsichtbar an die Stadt heranschleichen konnte, ohne entdeckt zu werden. Ich bekam mit, dass jemand sagte, die Soldaten seien nun zum Haus vorgedrungen. Damit waren bestimmt diejenigen gemeint, die das Drachenei zurückholen sollten. Er sah aus wie ein wichtiger Soldat des Zirkels. Ich machte mir Sorgen um Ethan. Die Lichtbringer Vampire waren mächtig und den Kampf gegen ihresgleichen gewohnt. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, wie ein Kampf unter Vampiren aussah.

Hinter einem Pulk beschwörender Orakel schlich ich mich fast bis zum Stadttor vor, doch davor hatte sich auf der linken und rechten Straßenseite die Lichtbringer Soldaten aufgereiht, beäugten jeden der ein und ausging genau.

Plötzlich entdeckte ich Adalar und Draca, die zwischen den Wachen hindurchgingen und sich mit dem Lichtbringerkommandanten absprachen.

»Es ist gleich soweit. Sobald die Kuppel zerstört ist, bleibt eine Minute bis der Versiegelungszauber wirksam wird.« Mein Bruder sah sich zwischen den Orakeln um, als witterte er mich. Ich verschwand hinter einer Frau mit buschigem Lockenkopf und hielt die Luft an.

»Die Einwohner haben wir darüber in Kenntnis gesetzt, damit es keine unnötigen Verletzten gibt«, hörte ich Adalars  Erklärung.

Unruhe entstand am Eingang, was mich dazu bewegte über die Schultern der Orakel dorthin zu spähen. Ein Trupp Lichtbringer Vampire kam aus der Kuppelstadt geflogen. Sie bildeten eine Art Formation und nun erkannte ich, dass der Soldat in der Mitte das Drachenei transportierte. Es wirkte blass und abgeschlagen, so als wäre der Zauber endgültig von ihm abgefallen. Ich konnte nur einen kurzen Blick darauf erhaschen, bevor sie nach einem Check-up durch Draca und den Kommandanten damit in den dunklen Himmel aufstiegen.

Ob es Ethan gut ging? Wie waren sie an das Drachenei gekommen? Hatten sie mit ihm darum gekämpft?

»Es kann losgehen, noch vier Minuten bis Sonnenaufgang!«, verkündete Draca und drängte sich durch die Menge. Er suchte die Menschenmenge mit den Augen ab und ich verschwand wieder hinter einer größeren Person. Ich setzte den Timer an Dominiks Armband auf vier Minuten und ließ ihn runterzählen.

Oh Gott, wie sollte ich es in dieser kurzen Zeit zu Ethan schaffen?! Ich musste sehen, ob es ihm gut ging!

Der Singsang der Orakelgruppen vor der Stadt wurde intensiver. Adalar folgte Draca und die beiden entfernten sich ein Stück von der Straße und dem Menschenauflauf. Dort verwandelten sie sich in ihre Drachengestalten und hoben in den Himmel ab.

»Hört auf damit, das könnt ihr nicht machen!« Am Durchgang zur Stadt begann eine Dämonin herumzukeifen. Es bildete sich eine Traube von Dämonen und Vampiren, die gegen die Maßnahme protestierten und ein Handgemenge entstand. Das war meine perfekte Gelegenheit.

Flink hastete ich an der Orakelgruppe entlang, um mich zwischen die Gegener in die Stadt zu schleichen.

Plötzlich packte mich jemand am Handgelenk und riss mich zurück. Erschrocken fuhr ich herum und starrte in Everlys Augen.

»Was zur Hölle hast du vor?«, zischte sie.

»Lass mich los, ich gehe zu Ethan!«, wütend riss ich mich aus ihrem Griff.

Sie lief mir nach bis ins Handgemenge und versuchte, mich zurückzuziehen: »Gwen, bleib hier! Die Versiegelung ist gleich aktiv!«

Ich schlüpfte zwischen zwei Soldaten hindurch in den Pulk der Dämonen: »Ich werde es schon rechtzeitig schaffen.«

Ich wusste nur noch nicht wie.

»Du schaffst nichtmal den Hinweg in vier Minuten!«, meinte Everly, »was, wenn du da drin eingesperrt wirst?«

Ethan würde mir schon helfen. Er würde das nicht zulassen.

»Dann hättet ihr besser auf mich gehört und diese dämliche Versiegelung lieber nicht durchgeführt!«, erwiderte ich und verschwand in der Menge.

»Gwen!«, hallte Everlys Stimme mir nach.

Ich quetschte mich durch flatternde flügel, wich haarigen Armen und peitschenden Schwänzen aus und bekam einen schmerzhaften Huftritt auf den Fuß, bis ich mich endlich in der Gasse Schattensangs aus dem Pulk befreite.

Aufgeregt liefen dort einige Einwohner kreuz und quer über die Straßen und riefen sich gegenseitig zu, dass sie sich in Sicherheit bringen mussten. Hoch oben über der Kuppel entdeckte ich den weißen Drachen, der zu der schwarzen Drachengestalt meines Bruders und der des smaragdgrünen Drachen Adalar aufschloss. Bedrohlich schwebten die drei über der Stadt hinweg.

Nervös schaute ich auf den Timer am Armband – noch drei Minuten und 15 Sekunden.

Ich rannte über die Straße, um vorwärts zu kommen und versuchte immer wieder Vampire und geflügelte Dämonen anzusprechen, doch niemand hatte Zeit sich mir zu widmen. Ununterbrochen wanderte mein Blick auf den Timer, die Zeit rann mir wie Sand zwischen den Fingern hindurch.

Ich entblockte meine Aura und sendete einen weiteren verzweifelten Gedanken an Ethan: ›Ich bin in Schattensang, bitte sag mir nur, ob es dir gut geht!

Plötzlich regnete es grünes Feuer auf das gläserne Dach der Stadt. Adalars aufweichender Feuerregen. Ich hatte ihn schon einmal gesehen, an dem Tag als sie das siebte Drachenei zerstört hatten. Die Einwohner kreischten, ich wurde mehrmals von mir entgegenkommenden Leuten angerempelt. Warum half mir denn niemand?

In meinem ganzen Leben war ich noch nie so schnell gerannt, aber ich wusste, dass ein Wunder geschehen musste, damit ich das Anwesen rechtzeitig erreichte.

Der Feuerregen stellte sich ein, die Drachen brüllten am Himmel, kreisten über der Stadt, durch dessen grün glühendes Dach nur noch ihre Silhouetten zu erkennen waren.

Ich spielte mit dem Gedanken telepathischen Kontakt zu Draca aufzunehmen, doch ich war mir sicher, dass er höchstens einen Lichtbringer Vampir dazu befehligen würde mich mit Gewalt aus der Stadt zu schaffen.

Mein Timer zeigte zwei Minuten und dreißig Sekunden an, als mich plötzlich ein Vampir dermaßen heftig anrempelte, dass ich zu Boden fiel.

»Sorry, war keine Absicht«, meinte eine Männerstimme und streckte mir die Hand entgegen, um mir aufzuhelfen.

Als er mich hochzog, erkannte ich ihn – meinen Lieblingsbarkeeper aus dem Outsider. Ihm ging es genauso und er sah mich verwundert an. »Was machst du hier? Weißt du nichts von der Versiegelung?«

Er war meine letzte Rettung: »Bitte bring mich zu Ethan, ich muss nach ihm sehen!«

»Der kommt schon klar, ich bring dich lieber aus der Stadt«, meinte der Mann mit einem ungläubigen Lachen.

Ich zeigte ihm das Armband mit dem Timer: »Bitte, ich kann es noch hin und zurück schaffen.«

Der weiße Drache spie einen weiten blauen Feuerstrahl vom Osten der Stadt aus, der schwarze Drache einen roten Feuerstrahl, welche sich in der Mitte vereinten und zu einem arkanen Feuer wuchsen. Das Feuer legte sich knarrend auf die vorgeglühte Kuppel, prasselte in Funken daran herunter und fraß sich durch das Glas.

Noch zwei Minuten.

»Also schön, Gwendoline – dafür schuldet Ethan mir was«, beschloss der Barkeeper.

Er legte die Arme um mich und schoss mit mir in die Lüfte. Die Sonne ging auf, während das Feuer die Kuppel zerstörte und die letzten Vampire sich in Sicherheit brachten.

Wir zischten in übernatürlicher Geschwindigkeit über den Stadtfluss und die Brücke hinweg, ließen die Siedlungen hinter uns und erreichten endlich das Anwesen.

Der Barkeeper setzte mich vor den offenen Toren ab, die Wachmänner waren verschwunden.

»Sorry, Kleine, das Gelände ist für uns tabu. Von hier an musst du allein weiter.« Er sah verängstigt auf die Kuppel, die nicht mehr lange dem Feuerregen standhalten würde.

»Vielen Dank, du hast was gut«, versprach ich ihm.

»Viel Glück«, antwortete er und schoss wieder in den Himmel.

Mit Blick auf den Timer rannte ich auf das Gelände des Anwesens.

»Ethan!«

Es war nichts und niemand zu sehen. Das Anwesen schien jedoch verwüstet, als hätten sie überall gekämpft. Die Fensterscheiben waren zerbrochen, das Dach der Garage war eingefallen.

Plötzlich stürzte der Himmel über mir ein. Mit einem so lauten Klirren und dröhnendem Quietschen, wie ich es noch nie gehört hatte, zerschellte das Dach. Es regnete Milliarden von Scherben. Winzig kleine, mittlere und große Glasdolche rieselten vom Firmament auf die Stadt. Mit klirrendem Kawumm kamen sie auf dem Boden auf, zerschellten in noch kleinere Teile oder steckten wie Messer in Dächern und Hecken. Ich rannte um mein Leben. Ich sah die riesengroße Scherbe von oben kommen, doch egal wohin ich mich bewegte, sie schien mir zu folgen, kam in rasender Geschwindigkeit immer näher auf mich zu. Plötzlich rammte mich von vorne etwas und ich glaubte erst, eine große Scherbe des Daches hätte mich entzweigerissen. Mein Hinterkopf schlug hart auf dem Boden auf und etwas Schweres lag auf mir. Der Geruch von Ingwer stieg mir in die Nase und als ich benommen blinzelte, sah ich Ethans meerblaue Augen. Er legte die Hände schützend auf mein Gesicht und bedeckte mich mit seinem Körper. Die spitze Kante einer Scherbe rammte sich mitten in meie Handfläche, die ich nicht rechtzeitig an den Körper herangezogen hatte. Ich schrie vor Schmerzen in seine Hände. Plötzlich zuckte Ethan auf mir zusammen und ich spürte, dass ein großes Glasstück an seiner Körperseite herunterfiel und auf dem Boden zerbrach. Es wurde still, endlich nahm das ohrenbetäubende Klirren ein Ende. Er rutschte stöhnend von mir herunter und fiel neben mir auf die Steine. Sein Rumpf war voller Blut, Ethan presste sich die Hände auf den Bauch. Mein Magen drehte sich augenblicklich um und ich unterdrückte ein Würgen.

»Verschwinde von hier«, hörte ich ihn röcheln.

Blut sickerte aus seinem Mund. Dann wurde er ohnmächtig.

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