Leseprobe Teil 1 von 3 aus Falling For Them – Zwei Idols und mein Herz
Der Ending Fairy Vorfall
Seonghak
Ich sitze im Auto und starre auf die Digitalanzeige der Uhr, als könnte ich sie mit Willenskraft anhalten oder zurückdrehen.
18:31.
Viel zu spät.
Ich sage mir, dass es kein Wunder ist. Nicht nach drei Wochen Funkstille. Nicht nach dem, was ich ihr angetan habe.
Aber trotzdem… ich warte.
Und diese verdammte Hoffnung macht alles nur schlimmer.
Meine Knie wippen, meine Handflächen sind feucht. Ich ziehe das Bühnenjackett aus, wieder an, dann doch wieder aus.
Ich bin bereit für meinen großen Auftritt – perfekt geschminkt, hellblonde Haare, silberne Kette, zu viel Puder auf der Stirn – und trotzdem fühle ich mich wie der Typ, der in der Schulaufführung seinen Einsatz verpasst hat.
Ich hätte sie vorher anrufen sollen. Ich weiß.
Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass eine Einladung – mit meiner Handschrift – vielleicht mehr sagen könnte als tausend unbeantwortete Nachrichten.
Ich blicke wieder zum Eingang. Zwei ältere Frauen kommen raus, unterhalten sich über irgendein Picknick im Park. Ein junger Typ geht hinein.
Aber nicht sie.
Noch nicht.
Und dann…
Die Tür geht auf.
Und ich vergesse kurz, wie man atmet.
Schwarzes Kleid, verspielt, mit einem Rüschenansatz, der ihre Figur perfekt betont. Ihre Haare – sonst wild und widerspenstig – sind zu eleganten Wellen gelegt. Hollywood-Stil, aber echt. Und ihr Make-up… zu glamourös für den Alltag, aber immer noch sie.
Mein Herz rast.
Wie ist sie drauf?
Wirkt sie wütend? Unsicher?
Nein.
Sie tritt in die Sonne, als hätte sie das schon tausendmal getan. Selbstbewusst. Stolz.
Aber ich sehe es trotzdem – die kleinen Zögern in ihren Bewegungen. Die Spannung in ihrer Haltung.
Der Fahrer verbeugt sich vor ihr.
»Emilia-ssi?«
Er deutet auf die Rückbank.
Auf mich.
Ich ducke mich leicht, obwohl ich weiß, dass die Scheiben dunkel genug sind.
Wenn sie jetzt schon sehen würde, dass ich hier sitze, würde sie vielleicht auf dem Absatz kehrtmachen.
Und ehrlich gesagt – ich könnte es ihr nicht mal übel nehmen.
Sie sieht den Fahrer an.
»Fahren Sie mich zur Show?«
Ihre Stimme ist ruhig. Klar.
»Ja, bitte steigen Sie ein. Wir fahren etwa zehn Minuten.«
Ich richte mich unauffällig auf. Brust raus, Schultern gerade, möglichst lässig. Ich will nicht aussehen wie jemand, der seit zwanzig Minuten nervös Kaugummi kaut, obwohl er gar keinen hat.
Sie öffnet die Tür – und ich sehe, wie sie kurz zögert, dann einsteigt.
Ich versuche, mich zu sammeln. Nicht starren. Nicht hyperventilieren.
»Hallo«, sage ich leise.
Sie schnappt nach Luft, erschrickt sichtlich.
Gut gemacht, Seonghak. Top Timing.
Sie hatte mich nicht gesehen.
»Hallo«, erwidert sie – ruhig, aber ich sehe, wie ihr Brustkorb sich hebt. Viel zu schnell für jemanden, der ruhig ist.
Sie mustert mich. Meine Haare. Mein Outfit. Meine Existenz.
Ich merke, dass sie versucht, genauso gefasst zu wirken wie ich – was leider nur dazu führt, dass wir beide aussehen, als würden wir innerlich simultan gegen die Ohnmacht kämpfen.
Und sie riecht nach Alkohol. Nur ein Hauch – aber ich bemerke es.
Vielleicht ist es das, was sie überhaupt hier rein gebracht hat.
Ich schlucke.
»Du … siehst wunderschön aus.«
Mein Lächeln ist vage, vorsichtig, tastend.
Nicht zu viel. Nicht zu wenig.
Sie reagiert kaum.
»Danke … du siehst anders aus.«
Autsch.
Ich nicke. Klar. Neue Haare, neues Styling. Neuer Mensch? Leider nicht.
Sie beißt sich auf die Lippe. Ich sehe, wie sie mit Worten ringt, die sie nicht sagen will. Vielleicht, weil sie zu ehrlich wären.
»Anders?«, frage ich, obwohl ich weiß, dass ich es besser lassen sollte.
Endlich – ein kleines Zucken in ihrem Gesicht. Sie wendet sich mir ein bisschen zu.
»Du hast deine Haare gefärbt … es ist einfach … ungewohnt. Aber es steht dir.«
Ich glaube, das war ein Kompliment. Vielleicht.
Für einen Moment ist es still. Die Art von Stille, die alles sagen könnte – oder nichts.
Also tue ich das Einzige, was mir einfällt. Ich greife in meine Jackentasche und hole sie heraus. Eine Mandarine. Klein, perfekt, ein bisschen warm von meinem Körper.
Ich beginne, sie zu schälen. Langsam. Ganz automatisch. Nicht, um einen Witz zu machen. Nicht einmal, um sie zum Lächeln zu bringen. Einfach, weil meine Hände etwas brauchen. Und weil ich weiß, dass sie sich erinnert.
Das Knacken der Schale füllt den Innenraum. Der Duft breitet sich aus – süß, weich, sonnig. Als hätte jemand kurz das Fenster zur Kindheit geöffnet.
Ich höre, wie sie leise durch die Nase ausatmet.
»Willst du?«, frage ich und halte ihr ein Stück hin.
Sie schaut mich an. Ihre Augen schmal, misstrauisch. Aber ihre Hand bewegt sich. Greift zu.
Keine Worte. Kein Lächeln.
Aber sie nimmt das Stück. Und das ist mehr, als ich verdient habe.
Ein kleines, verirrtes Lichtsignal im Nebel zwischen uns.
Ich könnte jetzt was sagen. Ich sollte. Aber mein Kopf ist leer.
Also starre ich sie nur an, wie ein Idiot mit zu viel Highlighter auf den Wangen.
Und dann kommt die Frage, vor der ich am meisten Angst hatte.
»Warum bin ich hier? Mit dir?«
Keine Schnörkel. Keine Vorwürfe. Nur die pure Direktheit.
Ich ringe mit den Worten, den richtigen, den ehrlichsten.
»Ich hab versprochen, ich lade dich zur Comeback-Show ein… und weil ich … ich wollte mit dir reden … über etwas …«
Sie verschränkt die Arme, lehnt sich zurück.
»Okay, rede!«
Ich schlucke. Hart.
Sie ist wunderschön, trotzig, verletzt – und ich bin so verloren in ihr, dass ich mich kaum auf meine vorbereiteten Sätze konzentrieren kann.
»Ich… ich möchte nur sagen, dass es mir… es tut mir leid… was passiert ist…«
Sie schnaubt. Leise.
Wie ein Stachel unter der Haut.
»Du solltest wissen, dass ich solche halbgaren Entschuldigungen nicht akzeptiere.«
Autsch. Zweimal in einem Gespräch. Neuer Rekord.
Sie schaut aus dem Fenster. Ich sehe ihr Spiegelbild. Und ihre Augen halten meinen Blick. Unbeirrt, verletzlich.
»Was soll ich denn sagen?« Meine Stimme klingt roher als geplant.
»Wirst du mir erzählen, was passiert ist?«
Ich nicke. »Ja. Ich werde es dir sagen.«
Sie sieht zum Fahrer. Der konzentriert sich auf den Verkehr, aber wir wissen beide: Er hört jedes Wort.
Mir egal.
»Sag es mir, wenn wir angekommen sind. Ich werde dir zuhören.«
Für den Rest der Fahrt sagen wir nichts. Essen die Mandarine auf.
Aber da ist etwas in der Luft zwischen uns – elektrisch, gespannt. Unsere Hände liegen auf der Sitzbank, nicht weit voneinander entfernt.
Ich würde gern meinen Finger zu ihrem bewegen. Nur ein Hauch von Berührung.
Aber wahrscheinlich würde sie mich dann bei lebendigem Leib auffressen.
Was – wenn ich ehrlich bin – nicht die schlimmste Strafe wäre.
Als wir in der Tiefgarage ankommen, öffne ich als Erster die Tür, gehe um den Wagen, strecke die Hand aus.
Sie zögert. Dann nimmt sie sie.
Nur kurz.
Und als sie aufrecht steht, lässt sie sie sofort wieder los.
Ich sehe ihre Hand verschwinden, spüre die Leere – warm war sie, weich – und weg.
Ich führe sie hinein. Schritt für Schritt.
Mein Herz schlägt wie ein Presslufthammer.
Und alles, was ich denke, ist: Bitte gib mir die Chance, es dir zu erklären.
Die Tür zur Tiefgarage fällt hinter uns zu, und sofort umfängt uns das Licht des Backstage-Bereichs – weiße Flure, zu grelle Neonröhren, Menschen in Headsets, Stimmen über Walkie-Talkies, schnelle Schritte auf Linoleumboden.
Ich halte mich dicht an ihrer Seite, gehe etwas zu schnell, weil mein Herz rast.
Emilia folgt mir, schweigend, aber ich spüre ihren Blick in meinem Rücken.
Ich will gerade rechts in den Gang zum Make-up-Bereich abbiegen, als er uns schon entgegenkommt.
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