Leseprobe Teil 2 von 3 aus Falling For Them – Zwei Idols und mein Herz
Joon.
Natürlich.
Er hat sich nicht mal umgezogen – trägt immer noch das schwarze Pre-Stage-Shirt, das leicht an seinen Schultern klebt. Seine Haare sind zerzaust, wie immer perfekt unperfekt, und sein Lächeln ist so breit, dass ich am liebsten kehrtmachen würde.
»Da ist sie ja!«, sagt er, als würde er sie persönlich eingeladen haben.
Emilia bleibt stehen. Kurz. Ich spüre, wie sie sich innerlich sammelt. Ihre Haltung ist ruhig, kontrolliert.
Aber ich kenne sie gut genug, um zu sehen, wie angespannt ihre Finger ihre Tasche halten.
»Emilia, oder?« Er streckt ihr sofort die Hand entgegen. »Ich bin Joon – und ich freue mich wirklich, dass du gekommen bist.«
Ich versuche, ihn mit einem Blick zu stoppen. Nicht. Jetzt.
Aber Joon ignoriert mich natürlich komplett. Charmant, wie immer.
Also bleibt mir nichts anderes übrig, als ihn offiziell vorzustellen.
Ich räuspere mich. »Unser Leader. Schrägstrich mein bester Freund.«
Joon grinst breit. »Und gelegentlich sein Modeberater. Aber nur, wenn er mich lässt.«
Dann klopft er mir auf die Schulter und massiert sie etwas zu fest, als ob er mich für mein dummes Verhalten Emilia gegenüber bestrafen wollte.
»Ich hab Seonghak gesagt, dass du nicht kommst. Aber hey – zum Glück hab ich mal Unrecht.«
Joon grinst, mustert sie mit aufrichtigem Interesse. »Du siehst wunderschön aus. Das Kleid? Wow. Wirklich wow.«
Emilia lacht leise – ein Lächeln, das eher aus Überraschung kommt als aus echtem Wohlgefühl.
»Danke. Ich weiß, wer du bist.«
»Oha.« Joon lacht. »Na gut, dann muss ich mich wohl benehmen. Erzähl bloß niemandem, dass ich Lampenfieber hab.«
»Erzähl bloß niemandem, dass du charmant sein kannst«, murmele ich.
Joon wirft mir einen Blick zu – gespielt entrüstet – und klopft mir auf die Schulter. »Sieh zu, dass du kein Chaos anrichtest, bevor wir auf die Bühne gehen.«
Und dann ist er weg. So schnell, wie er gekommen ist. Wirbelwind mit Zahnpasta-Lächeln.
Ich atme durch. Drehe mich zu Emilia, die mich mit einem Blick ansieht, der irgendwo zwischen ›Was war das gerade?‹ und ›Bin ich in einem Musikvideo gelandet?‹ liegt.
»Tut mir leid. Er… ist so«, sage ich und deute ihr, mir zu folgen. »Ich hab einen Raum organisiert. Da können wir reden. Ohne Zuschauer.«
Ich spüre, wie meine Schultern sich verspannen, je näher wir dem Raum kommen.
Was, wenn sie gleich aufsteht und geht?
Was, wenn ich wieder nicht die richtigen Worte finde?
Ich halte ihr die Tür auf.
Ein kleiner Aufenthaltsraum – Sofa, Tisch, Spiegel, noch halb voll mit Stylingprodukten und einer angebissenen Reiswaffel – bestimmt von Jeongwon, er ist süchtig nach diesen Dingern. Aber wenigstens leer. Und leise.
Sie tritt ein. Langsam. Mustert den Raum.
Ich schließe die Tür.
Jetzt gibt es kein Zurück mehr.
Nur wir.
In einem Raum, der zu klein ist für alles, was gesagt werden müsste.
Emilia setzt sich auf die Sofakante, die Hände in ihrem Schoß gefaltet. Ihre Beine übereinandergeschlagen, der Blick gesenkt. Nur ihre Schultern verraten, dass sie alles andere als ruhig ist.
Ich bleibe stehen. Laufe einmal kurz auf und ab, dann setze ich mich gegenüber, auf den niedrigen Hocker neben dem Tisch. Der Raum ist so still, dass ich mein eigenes Atmen höre. Oder ist es ihres?
Ich streiche mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sehe zu ihr hin.
Jetzt oder nie.
»Ich muss dir was sagen«, beginne ich.
Meine Stimme klingt rau, als hätte ich seit Stunden nicht gesprochen. Vielleicht habe ich das auch nicht.
Sie hebt den Blick, ihre Augen treffen meine. Nichts darin ist weich.
»An dem Abend… der Abend, als du bei mir warst…«
Sie verzieht keine Miene, aber ihre Schultern spannen sich sofort an.
Ich spüre, wie sich mein Magen zusammenzieht. Ich will das nicht sagen. Ich will, dass es nie passiert ist.
Aber es ist passiert.
»Yusan… war da. In meiner Wohnung. Ich war danach… mit ihm zusammen.«
Die Worte fallen, schwer, wie Steine ins Wasser.
Kein Echo. Nur Stille.
»Ich war überfordert. Ich hab nicht gewusst, was ich fühle. Und dann warst du weg. Und er war da. Es war…« Ich breche ab. Weil nichts davon sich gut anhört.
Weil es das auch nicht war.
»Du warst mit ihm zusammen«, wiederholt sie. Ihre Stimme ist ruhig. Gefährlich ruhig.
»In derselben Nacht… dein Sofa roch noch nach mir. Mein Geschirr gerade wieder in den Schrank geräumt… Meine Tränen noch nicht mal getrocknet.«
Ich schlucke. »Es war nur kurz. Zwei Wochen. Und… es hat nicht funktioniert. Nicht mal ansatzweise.«
»Warum?«
Ich sehe sie an. Ehrlich.
»Weil ich ständig an dich gedacht habe. Weil ich mit ihm durch deine Straße gelaufen bin. Zwei, drei Mal. Ich wollte dich sehen. Ich wollte…«
Sie lacht leise. Es klingt bitter.
»Du bist mit ihm an meiner Wohnung vorbeigelaufen?«
Sie schaut mich an, als könnte sie mich mit Blicken zerlegen.
»Und hast dich in der Zeit nicht ein einziges Mal bei mir gemeldet.«
Ich öffne den Mund, schließe ihn wieder.
Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll.
Meine Unfähigkeit, Konflikte auszuhalten. Meine Angst vor Zurückweisung.
All das, was mich zu einem verdammt miesen Menschen für sie macht.
»Ich war feige«, sage ich schließlich. »Ich hatte Angst, dass du mich nicht mehr sehen willst. Also hab ich’s gar nicht erst versucht.«
Sie nickt langsam, ohne mich anzusehen. Ihre Stimme ist leise, aber fest. »Was soll das, Seonghak? Dieses Hin und Her. Was soll ich dir glauben? Was soll ich fühlen?«
Ich lehne mich vor, mein Herz rast. »Dass du mir was bedeutest. Dass ich… dass ich alles für dich tun würde. Ich will nur, dass du in meinem Leben bist. Ich will, dass du glücklich bist.«
Ihre Augen sind groß, verletzlich. Und gleichzeitig müde.
»Das sagst du. Aber es sind nur Worte.«
»Dann lass mich’s beweisen.«
Sie sieht mich lange an. Und ich wünschte, ich könnte sagen, dass sie in diesem Moment schmilzt, sich öffnet.
Aber sie tut es nicht.
»Ich will nicht, dass du mir was versprichst. Ich will, dass du was tust. Und solange du nichts tust, bleibe ich auf Abstand.«
Ich nicke. Auch wenn es weh tut.
Auch wenn alles in mir danach schreit, ihre Hand zu nehmen, sie zu küssen, sie festzuhalten.
Aber ich tue es nicht. Ich bleibe sitzen.
Sie steht auf, ihre Bewegungen ruhig, aber bestimmt.
Bevor sie zur Tür geht, bleibt sie stehen. Dreht sich nicht zu mir um, aber ihre Stimme klingt wärmer als vorher. Weich. Fast traurig. »Du sagst, du willst mich glücklich machen.«
Sie dreht sich doch noch kurz um. Ihre Augen glitzern. »Dann tu es. Ich warte darauf, dass du mir das Glück zurückbringst.«
Und dann ist sie weg.
Ich bleibe zurück, in diesem Raum voller verpasster Gelegenheiten.
Aber irgendetwas in mir glaubt – vielleicht zum ersten Mal – dass ich diesmal nicht mehr kneifen darf.
***
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